Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor G. Hartranft am 25. Juni 2009
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Gesellschaft und Soziales

Einsparpläne bei den Kinderkrippen

Sehr geehrter Herr Ude,

die Städtischen Kinderkrippen unterliegen seit kurzem nicht mehr dem Sozialreferat, sondern dem Schulreferat München. Die Öffentlichkeit sowie die betroffenen Eltern wurden darüber nicht informiert.
Die daraus resultierenden Einsparungsmaßnahmen sollen nun möglichst rasch umgesetzt werden. Hauptsache die momentane Finanzkasse wird entlastet, auch wenn dies zu Lasten der Betreuungsqualität geht.
Eines wird gerne vergessen: die sozialen Folgen und Ihre Folgekosten!!!

Geplante Einsparungsmaßnahmen
- Frischküche soll Tiefkühlkost weichen
- Rollierkräfte, sollen als Fremde ins Haus kommen

Thema Frischküche:
Vorteile: - Köchin kennt aus Erfahrung den Bedarf des Hauses.
- Essen kann auf die Bedürfnisse gesunder und allergiebelasteter Kinder abgestimmt werden
- Kinder dürfen bei der Zubereitung helfen ->positive Haltung gegenüber vielen Speisen.
- Kinder nehmen im Laufe des Vormittags den Essensgeruch wahr und freuen sich auf ihr Mittagessen.
- Essen wird am Tisch verteilt und nicht vorportioniert geliefert. Eine familiäre Situation entsteht. Kinder essen nicht jedem Tag gleich große Mengen.
- Zutaten können gezielt ausgewählt werden.

Nachteile bei Aufgabe der Frischküche:
- Viele Reste müssen entsorgt werden.
- Allergiebelastete Kinder dürfen manche Gerichte gar nicht mehr essen-> einseitigen Ernährung ->gesundheitliche Probleme.
- Kinder lernen Fertignahrung als etwas völlig Normales kennen -> zu dicke Kinder -> zu dicke Erwachsene
- Essen wird auf einen Tagesordnungspunkt reduziert, positive Einstellung zum Essen, als Grundlage für eine spätere ausgewogene Ernährung, kann nicht gefördert, grundgelegt werden.
-> ungesunde, einseitige Ernährung, Essstörungen
- Tägliche Tiefkühlkost, kann dem Standard einer ausgewogenen Frischküche nicht entsprechen.
- usw.
=> Alles Folgekosten für unser Gesundheitswesen!

Thema Rollierkräfte:
Für Klein- und Kleinstkinder sind Bezugspersonen, denen sie vertrauen, lebensnotwendig. Warum dauert eine Krippeneingewöhnung mindestens 4 Wochen, wenn andererseits die Kinder von einer Minute auf die andere, Fremden anvertraut werden sollen. Wie effektiv ist eine kurzfristige Vertretung? Die Hauptarbeitstlast bleibt beim Stammpersonal?

Vorteile hauseigener Rollierkräfte:
- Kinder lernen diese nebenbei kennen ->effektive Vertretung bei kurzfristigen Erkrankungen!
- Kinder brauchen keine Angst zu haben, morgens einer fremden Person ausgeliefert zu werden.
- Eltern können ihr Kind beruhigt in die Krippe bringen und sich anschließend auf ihre Arbeit konzentrieren.
- Hauseigene Rollierkräftes nehmen sich als dazugehörig wahr und bringen hohe Motivation mit. -> spürbare Arbeitsentlastung des übrigen Personals.
- Zusammenarbeit kann nur effektiv sein, wenn diese nicht ständig durch "Fremde" beeinträchtigt wird.

Nachteile fremder Rollierkräfte:
- Für Kinder bedeutet es einen Schock, wenn sie sich in die Arme einer fremden Person begeben sollen.
- Eltern werden in einen schier unlösbaren Konflikt gestürzt, wenn sie ihr vor Angst schreiendes Kind alleinel lassen sollen.
- Bislang unproblematische Kinder können nach einem erlebten Vertrauensbruch (Die Eltern, die vertrauten Erzieher, überlassen mich Fremden) zu Problemkindern werden.
- Familiäre Situation (jeder kennt jeden) wird gestört.
- Stammpersonal geht trotz Krankheit möglichst lange arbeiten. -> vorprogrammierter, weitaus längere Krankheitsausfall.
- Durchführung von Projekten wird weitaus schwieriger.
- Betreuungsstandard der Einrichtung sinkt.
- "Topf" der Rollierkräfte reicht erfahrungsgemäß, in krankheitsintensiven Zeiten, nicht aus, -> Kinderkrippe muss Arbeitslast größten teils selbst auffangen -> Überbelastung, Motivation sinkt, das Krankheitsrisiko erhöht sich.
- Wie hoch bei kurzfristigen Einsätzen die Arbeitsentlastung tatsächlich ist, sei dahingestellt.

Kurzfristige und langfristige Folgekosten:
- Psychologische Betreuung der Kinder
- Krippe wird zum Aufbewahrungsort für Kinder. Durch mangelnde Frühförderung wird das Potential der Kinder unzureichend ausge schöpft.
- Vermehrte Krankheitsausfälle verursachen vermehrte Kosten!
- Bei sinkendem Betreuungsstandard sieht sich ein Elternteil wieder genötigt die Betreuung selbst zu übernehmen

=> Folgekosten für das Gesundheitswesen, die Wirtschaft, Steuerausfälle usw!

Meine Frage an Sie, Herr Oberbürgermeister Ude, lautet nun:

Sehen Sie die oben angeführten Argumente als unerheblich oder sogar unkorrekt an und welche Lösung bieten Sie an?
Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar!

Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Hartranft

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