Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Gerd Unger am 04. November 2012
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Umwelt und Gesundheit

EIN FEUERWERK AN ALLERHEILIGEN - oder: JEDER VOGEL KENNT SIE LÄNGST, DIE MENSCHLICHE IGNORANZ!

Allerheiligen 2012.

Etwa halb Sechse abends, Donnerstag, 1. November. Es ist dunkel (es ist Winterzeit in Deutschland und Bayern seit letzter - fast - Vollmond-Sonntag-Nacht). Schön ist die Umstellung nicht auf die dunkle Jahreszeit.

Ein Feuerwerk, jetzt, heute, an Allerheiligen, plötzlich, gen Norden.
Ein Feuerwerk.
An Allerheiligen. 2012.
In Bayern.
Hier, bei mir, fast.
In der Messestadt Riem.
An der Messe jedenfalls, irgendwo. Im Norden (von mir aus gesehen).
Hell und bumms. Heller und bumms. Nochmal, nochmal, und so weiter.
Bumms, hell; hell, bumms.
Fünf Minuten oder so. Ich werd mir der Sache bewusst, langsam. Ich mach das Fenster Richtung Nord auf.

Zwei wegflatternde Gänse. Laut schnatternd, sich beschwerend oder erleichternd, je nachdem.
Jedenfalls knapp an der, an meiner Scheibe vorbei. Im fünften Stock. Richtung Südwest. Weg vom Messesee Riem.
Weg. Bloss weg.
Feuerwerk: BUMMS, KNALL BUMMS, HELL, MITTEN IN DIE DUNKELHEIT.
(An Allerheiligen).

Es wird der mit dem großen Partyzelt sein. Der sein Partyzelt hier aufgebaut hat, mit Theater.
Und es geht weiter. Aber heute?

Ich muss das sehen. Ich glaub das nicht. Ich geh. Leute an den Straßen, vereinzelt, gläubig oder ungläubig. Keine Ahnung. Ich erreich die Messe. Schöne Fahnen geflaggt. Ganz bestimmte Farbe. Menschen. Viele Menschen. Abends, an Allerheiligen. Alle mit Tütchen, Papiertütchen. Irgendwann, als ich ankomm, ist das Feuerwerk vorbei. Die ersten gehen schon. Innen, in der Messehalle: Es ist ein Jubilee, ein hundertjähriges. Steht ja auf dem Multimedia-Schirm. Hätt die Hostessen gar nicht zu fragen brauchen.

100 Jahre Autos, Autovermietung oder sowas?!

Der mit dem Partyzelt war es nicht. Der war es diesmal NICHT. Der hat gar keine Vorstellung gegeben, am 01.11. Und einer, der in der Küche was aufzuräumen hatte, auch an diesem Abend, weiß auch NICHTS davon, dass hier (dort) beim täglichen Partymachen Feuerwerke geplant sind: GOTTSEIDANK!- Es gibt immer einen Hoffnungsschimmer.

Ich hab nichts gegen Feste (feste) feiern. Auch nicht an Allerheiligen. Ich find die Hostess auch sehr sympathisch, die mich fragt, ob bei mir denn alles gut sei? Bei mir ja, und die Gänse haben es ja überlebt. Aber beschwert haben sie sich, und erleichtert. Ansonsten kein Vogel mehr am See, jetzt. KEIN EINZIGER. Ich hab das gesehen, an dem Abend.

Aber wer kommt auf die Idee, die Gänse und alle Vögel hier vom See mit einem Feuerwerk zu verscheuchen? Die Vögel wissen nicht, dass Allerheiligen ist; es interessiert sie auch nicht. Da bin ich mir sicher. Die können es trotzdem nicht glauben: Dass sie hier von ihrem Zuhause für ein DERART ÜBERFLÜSSIGES Feuerwerk verscheucht werden. Es soll, hab ich später gelesen, schon zuvor eine Veranstaltung in Schwabing gegeben haben (in einer anderen "Automobilwelt").

Am nächsten Morgen sammel ich den Rest des Mülls auf, aus dem See, vom Rand des Sees, Vögel: NICHT EINER AUF DEM OBEREN TEIL DES SEES ZURÜCK!- und geh in das Business Center (oder Centre), in dem ich vor zwei Tagen schon mal interessehalber war. Ich leg was von dem Müll auf den Tresen. Die Empfangsdame ist natürlich ungehalten: "Ich leg Ihnen doch auch nicht meinen Müll in ihr Zuhause".

Das wär auch noch schöner. DAS IST NICHT MEIN MÜLL. DAS IST DER MÜLL VON EINER AG. Stinkendes abgefackeltes Schießpulverkarton- und plastik und Nagelartiges, das wohl kein vernünftiger Vogel in den Schnabel nehmen würd,- trotzdem!

ES IST EINE GRANATENLOSE SAUEREI, find ich (nur ich, ganz persönlich). EIN ABEND DER ART REICHT, finde ich.

WARUM MACHT MAN SOWAS? WARUM GENEHMIGT MAN SOWAS? SO EIN FEUERWERK? AN EINEM BIOTOP (wenn es denn eines sein soll?)? UM DIE MENSCHLICHE IGNORANZ ZU UNTERSTREICHEN?- IST NICHT ERFORDERLICH?! JEDER VOGEL KENNT SIE LÄNGST, DIESE MENSCHLICHE IGNORANZ! Bitte nicht verklagen, Vögel nicht oder mich!

+128

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Antwort
von Christian Ude am 24. Januar 2013
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Unger,

zunächst herzlichen Dank für Ihre Beschwerde, die sich – wenn ich mir das Urteil erlauben darf – als stilistischer Hochgenuss erwies. Der Vorgang ist mir erst durch Ihren Hinweis bekannt geworden, und ich musste mich erst bei den zuständigen Behörden erkundigen.

Sie hatten sich in dieser Angelegenheit auch direkt an das Kreisverwaltungs- referat gewandt, das Ihnen ja bereits mitgeteilt hat, dass dort das Feuerwerk durchaus kritisch eingeschätzt worden war und die zuständige Pyrotechnik- firma hierüber informiert worden ist.

Daraufhin wurde seitens der Firma versichert, Feuerwerkskörper mit geringer Steighöhe, relativ leise abbrennende Effekte sowie keine reinen Knalleffekte zu verwenden und das Feuerwerk frühzeitig zu beenden. Durch diese Maß- nahmen konnten die Beeinträchtigungen für Mensch und Tier zwar nicht gänzlich vermieden, zumindest aber doch in Grenzen gehalten werden. Eine seitens des KVR angeregte freiwillige Verlegung des Feuerwerks war nach Aussage des Veranstalters leider nicht möglich.

Für eine amtliche Untersagung aber lagen keine ausreichenden rechtlichen Gründe vor. Das Feuerwerk war korrekt bei der Regierung von Oberbayern angemeldet und eine besondere Genehmigung nicht erforderlich, da das Unternehmen eine entsprechende Feuerwerks-Dauerbrenn-Erlaubnis besitzt. Ich werde aber nachfassen, ob diese „Feuerwerks-Dauerbrenn-Erlaubnis“ auch auf Zusagen zurückgeht, die in der Praxis nachweislich Ihrer Schilder- ungen nicht eingehalten werden. Sie erhalten hier wieder Bescheid von mir.

Die Zustimmung der Messe München (als Grundstückseigentümer) lag ebenfalls vor. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Messe werde ich die Geschäftsführung aber fragen, wie sie ihre Zustimmung nach den zwischen- zeitlich gemachten Erfahrungen sieht. Erforderlichen­falls werde ich die Angelegenheit auch im Aufsichtsrat zur Sprache bringen.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Maria Käser
    am 04. November 2012
    1.

    Da werden sich wohl Mensch und Tier daran gewöhnen müssen, daß vor dem permanenten Kommerz- und Eventstreben nichts mehr sicher bzw. heilig ist (Allerheiligen ist doch ein christl. Feiertag!). Schade um die ruhige, besinnliche Zeit, die es einmal zu dieser Jahreszeit gab. Mensch wird es erst später merken (Burn-Out) daß ihm was fehlt; Tier merkt es sofort!

  2. Autor Gerd Unger
    am 06. November 2012
    2.

    Danke einer Antwort der Stadt München.

    Gut,: Die Stadt ist nicht verantwortlich.

    Die Sixt AG hat eine "Feuerwerks-Dauerabbrenn-Erlaubnis", was auch immer das sei,

    und die Messe München GmbH als Grundstückseigentümerin hat dem zugestimmt.

    LEUTE: MACHT EINFACH WEITER SO .- MACHT EINFACH ALLE WEITER. SO. IHR WERDDET HOFFENTLICH WISSEN; WAS IHR DA KONZERTIERT MACHT?!

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