Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Stefan Markt am 01. April 2010
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Freizeit und Sport

Die Machbarkeitsstudie "städtisches Stadion an der Grünwalder Straße"

Sehr geehrter Herr Ude,

mit Erstaunen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass die durch den TSV 1860 München am 23.März vorgestellte Machbarkeitsstudie zum Umbau des städt. Stadions an der Grünwalder Straße durch die von Ihnen geführte Stadtverwaltung abgelehnt wurde. Ihnen als Stadtoberhaupt, sowie als ehemaliger Funktionär des TSV 1860 und sg "Löwenfan" sind sicherlich folgende Punkte bekannt:

1, Der TSV 1860, in seiner Rolle als "Mieter" des Lokalrivalen FC Bayern in der Fröttmanninger AllianzArena, ist durch die jährliche Belastung aus den Stadionbeträgen finanziell stark eingeschränkt. Sportliche Weiterentwicklung oder ggf. ein baldiger Aufstieg sind trotz starker Bemühungen der vergangenen Jahre nahezu aussichtslos.

2, In Ihrer Rolle als Aufsichtsratsmitglied des TSV 1860 haben Sie entschieden dazu mitgetragen, dass sich der Verein in diese finanziell enge Situation begeben hat.

3, Im Sinne einer zukunftsorientierten Neuausrichtung des Vereins, bekannte man sich zu seinen Wurzeln und entschied sich erstmals, eine Rückkehr in das städtische Stadion an der Grünwalder Straße ernsthaft zu prüfen. Aussagen aus den Gremien des Vereins bestätigen, dass ein Fortbestehen des TSV 1860 als Mieter in der AllianzArena nicht gesichert werden kann.

4, Die Ihnen am 23.März 2010 vorgestellte Machbarkeitsstudie enthielt neben den Ausführungen namhafter Architekten Lösungen zum Thema Brandschutz, Sicherheit, Lärm, Verkehr und Schallschutz. Dies waren allesamt Probleme, die in vorangegangenen Diskussionen Ausschlussgründe für größere Sanierungsmaßnahmen am Stadion genannt wurden.

5, Die Machbarkeitsstudie konnte aufgrund einer von Ihnen gestatteten Frist von 3 Monaten erstellt werden. Für die Erstattung dieser Frist möchte ich mich bei Ihnen an dieser Stelle Recht herzlich bedanken. Projekte ähnlicher Größenordnung in anderen Städten haben aber gezeigt, dass eine Vorlaufzeit von mindestens 1 Jahr notwendig sind. Aus der sich darstellenden Sicht, sind angemahnte Mängel an der Studie lediglich der zu kurz bemessenen Frist zuzuschreiben.

6, Die Stadt München hat sich im Dezember 2009 für den dauerhaften Erhalt des Stadions entschieden und sich bereit erklärt, für den drittligatauglichen Umbau 10 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Auch hier komme ich nicht umhin, mich für die Entscheidung für den Erhalt des Stadions zu bedanken. Dennoch möchte ich anmerken, dass die Stadt diese freigegebenen 10 Millionen Euro einsparen könnte, indem man die Umbaufinanzierung durch den TSV 1860 leisten lässt.

Sehr geehrter Herr Ude,

aus Sicht der Anhänger des TSV 1860 München ist die Zukunft des 150 Jahre alten sportlichen Aushängeschildes der Landeshauptstadt eng mit dem Umbau des städtischen Stadions an der Grünwalder Straße, sowie der Rückkehr der Profimannschaft dorthin verbunden.

Sehr geehrter Herr Ude,

der TSV 1860 München hatte 2 Stunden Zeit, Ihnen eine Machbarkeitsstudie vorzustellen, für die er 3 Monate Zeit hatte und andere Vereine 1 Jahr benötigen. Nach diesen 2 Stunden entschieden Sie sich konsequent gegen eine mögliche Rückkehr des TSV 1860 München in seine eigentliche Heimat, dem städtischen Stadion an der Grünwalder Straße.

Sehr geehrter Herr Ude,

als Anhänger des TSV 1860 bitte ich Sie eindringlichst um eine sachliche, objektive zweite Prüfung der Machbarkeitsstudie sowie der Möglichkeit, genannte Mängel abzuarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Hochachtungsvoll

Stefan Markt

+578

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Antwort
von Christian Ude am 30. April 2010
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Markt,

zum Thema „städtisches Stadion an der Grünwalder Straße“ verweise ich zunächst auf meine Antwort an Herrn Wilhelm Osiander (http://direktzu.muenchen.de/ude/messages/25409), in der ich zum Gesamtthema Stellung genommen habe. Nun zu Ihren Einzelpunkten:

1. Es ist wahr, dass sich der TSV 1860 mit seinen eigenen
Vertragsabschlüssen in Fröttmaning übernommen hat.

2. Abwegig ist aber Ihre These, dass ich als Aufsichtsrats-Mitglied für den finanziellen Engpass verantwortlich sein soll. Informieren Sie sich doch einmal über die Aufgaben und Rechte des Aufsichtsrates bei 1860 und über meine auch öffentlich geäußerten Zweifel an der Finanzierbarkeit, die von sämtlichen Vereinsgremien zurückgewiesen wurden.

3. Wenn der TSV 1860 keine Zukunft in der Allianz-Arena sieht – und das ist nachvollziehbar - sollte er sich in erster Linie um eine vorzeitige Entlassung aus dem Mietverhältnis bemühen. Bis Anfang April gab es weder Gespräche mit der Arena-Gesellschaft noch mit dem FC Bayern. Stattdessen wurde die öffentliche Kontroverse und die gerichtliche Auseinandersetzung gesucht. Dies ist zumindest ein überraschendes Vorgehen, wenn man auf das entgegenkommen eines Vertragspartners angewiesen ist.

4. Die zuständigen Behörden der Landeshauptstadt haben bis zum Abschlussgespräch am 23. Oktober 2009 die Überlegungen der Machbarkeitsstudie gründlich und im Dialog mit den Verfassern geprüft und festgestellt, dass entscheidende planungsrechtliche und auch finanzielle Hürden eben nicht überwunden werden können.

5. Die Frage, welche rechtlichen, finanziellen und politischen Hürden für einen Stadionneubau an der Grünwalder Straße überwunden werden müssten, wird nachweislich seit zehn Jahren in aller Öffentlichkeit geführt und nicht nur innerhalb von drei Monaten. Bereits die einstimmige Beschlussfassung des Stadtrats vom Dezember 2009 war als endgültiger Abschluss des mehrjährigen Diskussionsprozesses zu sehen. Danach habe ich dem Verein auf seine entsprechende Anfrage mitgeteilt, dass bis zum Beginn von
Maßnahmen noch drei Monate Zeit sei, in der dem Stadtrat Gründe vorgetragen werden können, seine Entscheidung zu überdenken. Derartige Gründe konnten aber nicht vorgetragen werden.

6. Vielen Dank, dass Sie den Stadtratsbeschluss zur
Drittliga-tauglichen Sanierung anerkennen und sich dafür bedanken. Unzutreffend ist allerdings Ihre Annahme, die Stadt könne durch Unterlassung dieser Maßnahme zehn Millionen Euro „einsparen“. Wie der TSV 1860 selbst dargelegt hat, würde der Verein für sein Projekt mindestens 7,5 Millionen Euro vom Freistaat und von der Stadt eine Hilfe in Höhe von 35 Millionen Euro benötigen (dabei sind die Kosten der Brückenbauwerke willkürlich ausgeklammert worden).

Die Stadt München hat nicht nach zwei Stunden, sondern nach einer beispiellos langwierigen, gründlichen und intensiven Prüfung festgestellt, dass der erträumte Stadionneubau nach den heutigen Erfordernissen der Liga und dem heutigen Baurecht nicht zulässig ist, nicht finanziert werden könnte und auch nicht gegen die Bürgerschaft durchsetzbar wäre. Bitte nehmen Sie dies irgendwann zur Kenntnis. Ich bin und bleibe ein Löwen-Fan, der dafür auch Widerstände und Anfeindungen in Kauf nimmt, aber ich bin nicht bereit, mich über zwingende Rechtsvorschriften und einstimmige Beschlüsse des Stadtrats hinwegzusetzen oder auch nur den Eindruck zu erwecken, dass ich dies tun könnte, weil sich angeblich ein Löwen-Fan im Amt des Oberbürgermeisters nicht an Recht und Gesetz sowie bindende Beschlüsse halten müsste.

Mit freundlichen Grüßen