Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Marion Wilken am 25. November 2013
3732 Leser · 93 Stimmen (-10 / +83) · 2 Kommentare

Bildung und Kultur

Definiv kein Herz für Kinder?

Sehr geehrte Damen und Herren,

Warum sabotieren die Ämter der Stadt München eine dringend benötigte Mittagsbetreuung in Laim?

Dass die Kinderbetreuungs-Situation in der Stadt München schlichtweg mangelhaft ist, ist hinreichend bekannt. Insbesondere Hortplätze sind in z.B. in Laim nicht mal dann zu bekommen, wenn man bereit wäre, viel Geld dafür zu bezahlen.

Nachdem die Situation in Laim schon so weit eskaliert ist, dass Unterschriften Aktionen und Protestbewegungen stattgefunden haben, wurde (erstaunlicher Weise kurz vor der Wahl) eine dritte Mittagsbetreuung für die Grundschule an der Fürstenrieder Straße gegründet.

Die Naturindianer sind zum Wohl der Eltern kurzfristig eingesprungen. Ihnen wurde während der Schulferien sagenhafte 7 Tage Zeit gegeben, mindestens 13 Anmeldungen für die Betreuung zu erhalten. Letztendlich aber erteilte das Amt für Bildung und Sport die Genehmigung für das Aufstellen des obligatorischen Tipis in einer Ecke des Sportplatzes. Die Schule stellt für die Hausaufgaben einen kleinen Raum im dritten Stock zur Verfügung.

Doch jetzt, nach der Wahl, wird diese Form von Mittagsbetreuung immer mehr zur Farce. Die zugesagten notwendigen Utensilien, wie ein Geschirrspüler, hängen wochenlang in Antragsschleifen. Die Kinder müssen Toiletten benutzen, die sich im Keller befinden und können Freitags nicht mal Trinkwasser aus dem Schulhaus besorgen weil abgesperrt ist. Es fehlt an Schränken. Die Eltern müssen die Kinder am hintersten Tor des Sportplatzes abholen, weil kein Schlüssel für das vordere Schultor genehmigt wird.

Aber was die absolute Höhe ist: das Schulamt hat plötzlich beschlossen gegen das Tipi Einspruch zu erheben. Begründung: Vier Quadratmeter weniger Wiese um den Sportplatz würde den erfolgreichen Abschluss der Hauptschüler gefährden. Woraufhin das Amt für Bildung und Sport die Genehmigung einfach mal wieder zurück gezogen hat. Grund: man wolle sich nicht mit dem Schulamt anlegen.

Und jetzt? Jetzt scheint das Ganze nicht mehr das Problem der Stadt München zu sein, sondern das der Naturindianer. Die gehen gerade betteln und suchen händeringend nach Alternativen. Mittlerweile sind es nämlich schon 17 Kinder, und der Bedarf nach weiteren Plätzen wäre da.

Der Stadt ist es offensichtlich egal – schließlich ist die Wahl ja rum. Es gibt sogar unbebaute Grundstücke in der Nähe, die der Stadt gehören! Aber es handelt sich hier ja nur um Kinder berufstätiger Eltern. Die sind offenbar nicht wichtig genug, um den vorhandenen, ungenutzten Platz zur Verfügung zu stellen.

Das Kinder unter unmöglichen Bedingungen den Nachmittag verbringen und dass Eltern aufgrund des Mangels an Alternativen gar keine Möglichkeit haben, die Jungs und Mädels wo anders unterzubringen, ist offenbar egal.

Das ist eine sehr bedauerliche Einstellung.

Sind Sie nicht auch der Meinung, dass Bildung unserer wichtigstes Gut für die Zukunft ist? Dass Kinder Spaß an der Schule haben sollten?

Sind Sie auch der Meinung, dass Mütter das Recht haben sollten ganztags zu arbeiten (um beispielsweise die horrenden Münchner Mieten bezahlen zu können)?

Sind sie nicht auch der Meinung, dass eine verbindliche Genehmigung nicht einfach so wieder zurück gezogen werden kann?

Sind Sie nicht auch der Meinung, dass Streitigkeiten zwischen den Ämtern nicht auf dem Rücken von ein paar 5-6jährigen Schulanfängern ausgetragen werden sollten?

Ich bitte die Stadt München inständig, ihr soziales Engagement und ihr Interesse an dem Wohl der Kinder dieser Stadt zu beweisen, und aktiv an einer Lösung für das Problem mitzuwirken.

Marion Wilken

+73

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  1. Autor Maria Käser
    am 25. November 2013
    1.

    Unbebaute Gründstücke gibt es in der Nähe; wo sollen die denn sein?

    Der eigentliche Skandal ist, dass das marode Nebengebäude, das permanent an wechselnde Zwischennutzer vermietet wird, perfekt passen würde, um es in die Fürstenrieder Schule zu integrieren um mehr Platz zu schaffen für die Schüler und die Lehrer! Aber auch hier passiert seit Jahren nicht's! Olympiabewerbungen sind ja sooo viel wichtiger, als Geld in die Hand zu nehmen für öffentliche Gebäude und Einrichtungen.

  2. Autor Nessy Sahling
    am 11. Dezember 2013
    2.

    Ich möchte auch noch den Absatz des letzten Beitrags zu dem Thema der Hortsituation in München-Laim in Erinnerung bringen, der mich als bald betroffene sehr aus dem Herzen spricht:

    München ist eine der reichsten Städte Deutschlands. Wir sind in der Lage aus reinen Prestigegründen den Stachus komplett neu zu renovieren. Und wenn es uns in der S-Bahn zu eng wird, bauen wir kurzerhand eine neue Stammstrecke. Und dennoch werden mittlerweile Krippenplätze in Morningshows im Radio verlost? Das ist NICHT sozial – das ist einfach nur beschämend.

    Das Problem fehlender Betreuungsplätze ist allgegenwärtig und nicht neu. Ich liebe München und wohne von Geburt an sehr gerne hier. Aber die Nonchalance mit der das Betreuungsdefizit betrachtet wird, macht mich sehr traurig. Denn eigentlich war ich stolz darauf, im tiefschwarzen Bayern mit dem roten München ein soziales Zeichen zu setzen. Für mich ist das Betteln um einen Betreuungsplatz definitiv mit ein Grund, die Familienplanung nun nicht weiter auszubauen.

    Ich habe mir auch die anderen Beiträge zu diesem Thema durchgelesen. Bitte, Herr Ude, räumen Sie dem Thema mehr Priorität ein. Denn auch ein zu 36% gedeckter Betreuungsbedarf lässt die restlichen 64% der Mütter im Regen stehen.

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