Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor Jürgen Borgmann am 02. April 2013
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Gesellschaft und Soziales

Das darf nicht wahr sein: Stadt fördert Nazi-Jubiläum!

Sehr geehrter Herr Ude,
Zum Ende Ihrer Karriere als OB fallen mir zunehmend Widersprüche auf, wohl dem Wunsch folgend, alle (politischen) Seiten einzubinden, zukünftig Wählerstimmen generieren zu können.

Ich nehme Bezug auf den Beschluss des Kulturausschusses vom 14. März 2013 (SB),
“Zuschuss der Landeshauptstadt München für die Gesamtumbaumaßnahme im Deutschen Jagd- und Fischerei-museum (45.500 €)”. Als Anlass für die Umbaumaßnahmen wird einzig auf das 75-jährige Jubiläum verwiesen.

Meine Frage:
Hat bei der Beschlussfassung im Kulturreferat keiner nach-gerechnet -
- wie wollen Sie persönlich, der anerkennswerter Weise - oft an   forderster Front - seit Jahren gegen Nazis in der Stadt   Stellung bezogen hat,
- bzw. die Stadt, als eine der Stifter für das neue Deutschen   Jagd- und Fischereimuseum in der Neuhauser Straße seit   1966 ,
- die durch ein eigenes Referat Programme wie “Laut gegen   Brauntöne”, ”bunt statt braun”, “Münchner Apell”, “Bündnis für   Toleranz”, “AMIGRA” etc. initiatiert hat und dankenswerter-  weise sehr aktiv ist,
- keine 300 Meter entfernt, ein NS-Dokumentationszentrum   bauen läßt,
- den “Platz der Opfer” neu, würdevoller gestalten läßt,
- gerade jetzt, in einer Zeit, in der der “NSU-Prozeß” in   München stattfindet, einer dadurch verstärkt sensibilisierten   Öffentlichkeit erklären,
-- daß Sie / die Stadt an einem Jubiläum beteiligt ist / mitfeiert,     daß am 26.4.1934 durch einen Antrag des Nazi-Stadtrats     Christian Weber (“Symbol des Nationalsozialismus in Mün-    chen, Tyrann von München”, Sopade-Berichte, 4. Jg., 1937,     S. 1074) für die “Schaffung und Einrichtung eines deutschen     Jagdmuseums in München, in dem das gesamte Jagdwesen     technisch und geschichtlich dargestellt werden soll" begann,     dann mit Förderung eines Reichsministers, der das Museum     zu einem Reichsjagdmuseum ausbauen wollte, zur Eröff-    nung am 16.10.1938 führte.

Kann man das verschweigen, in den Reden raushalten?
Wer hat das Museum damals im Stadtrat gefördert, welche Unterstützer gab es?
Sind das in den kommenden Festreden alles nur interessierte, unpolitische Jäger gewesen?
Gibt es wie damals wieder “Amazonentänze” und einen Festumzug in der Neuhauser Straße unter dem damaligen Motto “1000 Jahre Jagd und 1000 Jahre Tracht” um durch Authentizität einen “Event” zu generieren?
Die damalige Beflaggung ist ja nicht mehr möglich.
Wie erklären Sie das ihren Bürgern?

Hier geht es um Ihre - und der Stadt - Glaubwürdigkeit, die Weiterführung einer seit Jahren akzeptierten Politik gegen Rechts.
In drei Jahren könnte man das 50-jährige Jubiläum der Wiedereröffnung in einem dann evtl. Baustellen-freien Museum feiern, ohne Beigeschmack - aber es geht ja wohl auch um ein persönliches “Denkmal”.
Spätestens dann ist “Geschichte”, “Aufbereitung”, “Erinnerung” nicht mehr so wichtig. Oder?

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Borgmann

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