Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor P. Arnold am 23. Juli 2009
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Bildung und Kultur

Christian Thielemann

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

nur ungern wende ich mich in Anbetracht Ihrer enormen Arbeitsbelastung an Sie persönlich, zumal ich mit Ihrer Tätigkeit und Ihren bewundernswerten Leistungen mehr als zufrieden bin.

Wenn ich Ihnen diesen Brief dennoch schreibe, dann deshalb, weil mich die Diskussion um die Vertragsverlängerung von Herr Generalmusikdirektor Christian Thielemann, den Chef des Münchner Stadtorchesters, der Münchner Philharmoniker, mit großer Sorge erfüllt. Er zählt zu den ganz wenigen charismatischen Dirigenten dieser Zeit, nur vergleichbar mit Herbert von Karajan und Claudio Abbado. Seine Kompetenz auf dem Gebiet der Deutschen Klassik und Romantik ist sowohl unbestritten als auch einzigartig. Die Münchner Philharmoniker haben in den vergangenen 5 Jahren an Profil und Könnerschaft gewonnen, die so nicht einmal der von allen bewunderte Sergiu Celebidache und auch nicht James Levine erreicht haben. Die Geschichte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks zeigt, dass nur langfristige Bindungen großer Dirigenten (Rafael Kubelik, Colin Davis, Lorin Maazel und jetzt Mariss Jansons) dazu geführt haben, ein Orchester an die Weltspitze zu führen. Die Münchner Philharmoniker benötigen Thielemann mindestens noch eine Periode von 5 Jahren, um mit den besten Orchestern der Welt gleichzuziehen. Das allein sollte Sie dazu bewegen, die Verhandlungen erfolgreich abzuschließen. Als langjähriger Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Marburg, als vieljähriger Dekan der Medizinischen Fakultät in Marburg und Ärztlicher Direktor weiß ich um die Schwierigkeiten von Berufungs- und Bleibeverhandlungen. Ich habe immer bemerkt, dass 80% einer solchen Tätigkeit Pychologie sind und Geld eher eine untergeordnete Rolle spielt. Natürlich sind mir bei eigenwilligen Persönlichkeiten die Schwierigkeiten in den Gesprächen bekannt. Nur: der Intendant der Philharmoniker dirigiert eben nicht und hat also eine dienende Funktion. Betrachten Sie nur die Situation in Berlin mit Simon Rattle, der auch nicht einfach ist und die dortigen Intendanten ständig wechseln. Das gleiche gilt für Barenboim an der Staatsoper Berlins und seinem Verhältnis mit der Direktion. Die Kunstinteressierten fahren aber nach Berlin wegen der Dirigenten und nicht wegen der Intendanten, so wichtig und unverzichtbar diese auch sind. Diese Gedanken wollte ich Ihnen gegenüber äußern und Sie bitten, die Verhandlungen persönlich zu führen, um Thielemann zu halten.
Ein Wunsch oder eine Empfehlung: Fahren Sie nach Bayreuth und hören sich nur den ersten Akt der "Walküre" an. Dann werden Sie mir in allem zustimmen.

Mit den allerbesten Grüßen

Ihr

Rudolf Arnold
(seit seiner Emeritierung wieder in seiner alten heimatstadt lebend)

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