Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

Es können keine neue Fragen mehr gestellt oder bewertet werden. Bisherige Anfragen und Antworten sind weiterhin sichtbar.

Beantwortet
Autor Niels Hauch am 19. November 2010
8880 Leser · 92 Stimmen (-2 / +90) · 0 Kommentare

Planen und Bauen

Büros ohne Ende - aber zu wenige Wohnungen

Sehr geehrter Herr Ude,
in München gibt es Büroflächen quasi km² mäßig zu mieten. Wenn man aber eine Privatwohnung sucht hat man fast keine Chance - abgesehen von den extrem hohen Preisen ist einfach nicht genug Wohnraum vorhanden. Ergo - es ist nichts zu finden wenn man nicht zufällig Zahnarzt oder Bill Gates ist. Warum genehmigt die Stadt aber weiterhin den Bau von Büroflächen (Beispiele findet man im ganzen Stadtgebiet) während nach wie vor extreme Wohnungsnot herrscht? Warum werden nicht mehr Flächen für den Wohnungsbau ausgewiesen? Warum können bestehende leer stehende Gewerbeflächen nicht umgenutzt werden? Hier wäre mal eine Innovation seitens der Stadt gefragt.

Mit freundlichen Grüßen
Niels Hauch

+88

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Christian Ude am 19. April 2011
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Hauch,

Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Feststellung, dass in München nichts so dringend gebraucht wird wie neue Wohnungen und dass deshalb der Wohnungsbau Priorität haben muss. Dies ist aber auch der Fall. Allein in meiner Amtszeit wurden über 100.000 Wohnungen errichtet, außerdem wurde jedes Jahr im Durchschnitt zusätzliches Baurecht für 2.500 Wohnungen geschaffen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Und: München hat das größte wohnungspolitische Programm der Bundesrepublik aufgelegt, das mit 625 Millionen € im 5-Jahres-Zeitraum ausgestattet ist und besonders Bezieher unterer und mittlerer Einkommen fördert.

Trotz der großen Wohnungsnachfrage, die unbestritten unser größtes Problem ist, kann aber nicht überall eine Wohnnutzung vorgeschrieben werden. So wäre dies beispielsweise entlang der Hauptverkehrsstraßen oder auch der Eisenbahntrassen wegen der Lärmbelästigung gar nicht zulässig. Manchmal müssen Gewerbebauten zugelassen werden, damit dann dahinter dank des Lärmschutzes eine Wohnnutzung erst zulässig wird. Selbstverständlich werden aber auch ehemalige Bahnareale, Kasernenanlagen und Gewerbeflächen zur Schaffung von Wohnraum herangezogen, soweit sie dafür geeignet sind.

Gewerbebauten werden von Privaten errichtet. Wenn auf dem jeweiligen Grundstück die planungsrechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, besteht sogar ein Rechtsanspruch auf eine Baugenehmigung; eine Bedarfsprüfung durch die Stadtverwaltung ist nicht möglich. Wenn beispielsweise ein Unternehmen ein neues Bürogebäude für seine Zwecke benötigt, lässt es sich davon nicht abbringen, nur weil andernorts weniger geeignete Büroflächen leer stehen. Andererseits wird aber jeder Eigentümer bestrebt sein, Leerstände zu vermeiden, weil sie unwirtschaftlich sind. Gelegentlich reagiert der Markt für Gewerbeimmobilien aber nur mit zeitlicher Verzögerung auf die aktuelle Situation von Angebot und Nachfrage.

In der allerletzten Zeit können wir eine erfreuliche Entwicklung beobachten: Während früher Grundstückseigentümer und Investoren unbedingt so viel Gewerberaum wie möglich errichten wollten, ist ihnen die Leerstandsproblematik heute bestens vertraut; der Wohnungsbau, der früher als unrentabel galt, verzeichnet demgegenüber heute eine wachsende Attraktivität. Deshalb tragen immer mehr Grundstückseigentümer vor, die Stadt möge die Bauleitplanung in Richtung Wohnungsbau verändern. Dem kommen wir natürlich, so weit es zulässig ist, sehr gerne nach. Sie sehen also, dass der Markt – wenn auch nur verzögert – durchaus auf die von Ihnen festgestellte Bedarfslage reagiert.

Mit freundlichen Grüßen