Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Snezana Akhtar am 24. Juni 2013
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Bildung und Kultur

"Bubblesplatz" "A Space Called Public - Hoffentlich Öffentlich"

David Shrigleys Arbeit „Bubblesplatz“ im Rahmen des Projektes „A Space Called Public / Hoffentlich Öffentlich“ auf dem Promenadeplatz

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

unser gemeinnütziger Verein „MJ’s Legacy Association International e.V.“ kümmert sich zusammen mit anderen Michael-Jackson-Fans nun seit vier Jahren ehrenamtlich um die von Fans errichtete und selbst finanzierte Gedenkstätte für Michael Jackson am Fuße des Orlando di Lasso-Denkmals auf dem Promenadeplatz.
Täglich ist jemand von uns vor Ort, um die Gaben dort zu arrangieren und für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Dieser Platz hat für die Fans aus aller Welt inzwischen zentrale Bedeutung erlangt, da er nicht nur die Möglichkeit bietet, der Trauer Ausdruck zu verleihen, sondern auch dazu dient, sich dort zu treffen (er ist mittlerweile internationaler Anlaufpunkt geworden), andere über Michael Jackson zu informieren und die Wohltätigkeitsarbeit, die für ihn zeitlebens im Mittelpunkt stand, fortzuführen.
Unser Ziel ist es, Michael Jackson zu ehren, sein künstlerisches und humanitäres Andenken zu erhalten und Kinder-Hilfs-Projekte vor Ort und weltweit zu fördern. Die Gedenkstätte hat sich zum regelrechten Touristenmagnet entwickelt und ist Teil von Stadtführungen und Reiseführern.

Seit Beginn legen wir große Mühe, Ernsthaftigkeit und Herzblut in dieses Projekt, deshalb sind wir auch der Stadt München und ihren Bürgern sehr dankbar für die Toleranz und die Anerkennung, die sie uns dafür entgegenbringen.

Nun installierte Mitte April 2013 der schottische Künstler David Shrigley seine Arbeit im Rahmen des Projektes „A Space Called Public / Hoffentlich Öffentlich“ direkt am benachbarten Denkmal. Diese Arbeit bereitet uns seitdem große Sorgen und viel Kopfzerbrechen. Sie ist nicht durch ein deutlich sichtbares Hinweisschild oder Ähnliches als „Kunstprojekt“ gekennzeichnet und wird somit von Passanten fast durchwegs als „Erweiterung“ der Gedenkstätte für Michael Jackson bzw. (s)einen Affen wahrgenommen und dies wird auch negativ kommentiert. Es wird uns unterstellt, immer mehr Raum zu beanspruchen und es wird sich darüber lustig gemacht, dass wir jetzt auch noch eine Gedenkstätte für einen Affen errichtet hätten. Wir empfinden das Kunstwerk deshalb als Herabsetzung unserer Mühen und unseres karitativen Engagements und als Verunglimpfung unseres gesamten Projektes. Dazu tragen auch die bisher dazu veröffentlichten Presseberichte bei. Es wurde uns zwar von Seiten des Kulturreferates versichert, dass dies nicht beabsichtigt sei, aber wenn man sich die Fotos ansieht, kann man sicherlich nachempfinden, wie das Ganze nach außen hin wirkt.
Auch glauben wir nicht, dass der Künstler gegenüber Michael Jackson keine negative Haltung besitzt, denn es gibt frühere Zeichnungen von ihm, die dies durchaus veranschaulichen. Ebenfalls ist es für uns nicht zu verstehen, wie die indirekten Spendenaufrufe für den Affen Bubbles, die David Shrigley in seine Arbeit integriert hat, mit Ihrem Kunstprojekt in Einklang stehen und fragen uns, inwieweit das noch unter den Kunstbegriff fallen kann. Soweit wir informiert sind, geht es dem Tier sehr gut und viele Fans tragen finanziell zu seiner Versorgung bei, deshalb müssen wir leider vermuten, dass der Künstler absichtlich den Eindruck erwecken möchte, dass Michael Jackson ihn „vergessen“ oder „vernachlässigt“ hat, oder dass er damit unsere Spendenaktionen lächerlich machen möchte.

Bitte verstehen Sie unsere Ausführungen nicht als Kritik oder Intoleranz gegenüber Kunstprojekten im öffentlichen Raum Münchens, wir stehen dem insgesamt positiv gegenüber. Dennoch möchten wir Sie bitten, unsere Bedenken und Einwände gegenüber David Shrigleys äußerst provokative Installation, die die Stadt München auch sehr viel Geld kostet (das Gesamtkonzept kostet 1, 2 Millionen Euro!), insbesondere auf diesem Platz und in dieser Form auf sich wirken zu lassen und uns eine Stellungnahme dazu zukommen zu lassen. Welche Intention hat die Stadt München ein "Denkmal" für einen Affen zu installieren? Wie lange wird das Projekt aufrecht erhalten?

Vielen Dank

Mit freundlichen Grüßen

Snezana Akhtar
Vorsitzende „MJ’s Legacy Association International e.V.“

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Antwort
von Christian Ude am 26. August 2013
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Akhtar,

Ihr Einsatz für das künstlerische und humanitäre Andenken an Michael Jackson sind mir bekannt. Zu Ihrem Thema nimmt das zuständige Kulturreferat wie folgt Stellung:
„Die bereits mehrjährige Duldung des Orlando di Lasso Denkmals als Memorial für Michael Jackson durch den Freistaat Bayern (Eigentümer des Denkmals) und die Landeshauptstadt München (Eigentümerin des Grundstücks) ist mittlerweile auch als sichtbares Statement für eine tolerante Stadtgesellschaft zu verstehen.

Eine Diskriminierung des Künstlers Michael Jackson oder seines Werkes ist mit dem von Ihnen kritisierten Kunstprojekt „Bubblesplatz" von David Shrigley keinesfalls beabsichtigt.

Das Kunstprojekt „Bubblesplatz" ist Teil der Reihe „A Space Called Public / Hoffentlich Öffentlich“, die das international renommierte Künstlerduo Elmgreen & Dragset im Auftrag der Stadt kuratiert.

In der Reihe sind von international tätigen Künstlerinnen und Künstlern verschiedene Kunstobjekte im öffentlichen Raum in München zu sehen. Sie sollen den Blick auf vermeintlich Bekanntes schärfen und Impulse für Diskussionen geben. Anfang Oktober wird die deutlich als solche gekennzeichnete Kunstinstallation mit Beendigung der Reihe wieder entfernt.

Der für den renommierten Turner-Preis nominierte Künstler David Shrigley setzt sich mit seinem Kunstprojekt zu Michael Jacksons Schimpansen Bubbles mit dem gesellschaftspolitisch relevanten Thema nach der Aufgabe eines Monuments auseinander. Mit seiner Aktion möchte Shrigley dazu beitragen, die Diskussion über Erinnerungskultur und die Nutzung des öffentlichen Raums - die im übrigen auch immer wieder zu dem von Ihnen gestalteten Memorial aufkommt - neu zu entfachen.

In unmittelbar räumlicher Nähe und somit in Korrespondenz zu dem von Ihnen und der Fangemeinde Michael Jacksons gestalteten Memorial wirft er damit Fragen auf wie: Wer beauftragt bzw. welche Initiativen veranlassen die Errichtung öffentlicher Denkmäler? Für wen wird ein Kulturort errichtet, für wen nicht - und wer entscheidet darüber? Dürfen Denkmäler nur verstorbenen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte vorbehalten bleiben bzw. welchen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden heute Denkmäler gewidmet? Und wie verändern sich Gedenk- und Erinnerungsorte?

Weitere Informationen zu dem Kunstprojekt und zur Reihe "A Space called public/hoffentlich öffentlich" finden Sie unter: http://www.aspacecalledpublic.de

Mit freundlichen Grüßen

Christian Ude


Kommentare (2)Schließen

  1. Autor Maria Käser
    am 24. Juni 2013
    1.

    Eine Frage. was kostet hier die Stadt München 1,2 Millionen Euro?
    Doch nicht etwas das mit vergilbten Zetteln verklebte Denkmal, neben dem MJ-Denkmal?

  2. Autor Vivien Rose
    am 24. Juni 2013
    2.

    Sehr geehrter Herr Ude!

    Es ist nicht immer leicht es allen Recht zu machen. Aber wir alle sollen Respekt gegenüber der einer höheren Macht zeigen: der Macht der Liebe und Zusammengehörigkeit, der Macht der Liebe und Herzlichkeit, der Macht des Mitgefühls, des Friedens und der Freiheit Wenn unsere Worte sich den Umständen entsprechend ändern, bemerken es die Menschen, und sie werden sich daran immer erinnern. Zuvor war dies und doch zeigte er ... Wenn wir ein Ziel vor Augen haben sollte Aufrichtigkeit ein wesentliches Qualitätsmerkmal sein. Gerade in diesen Tagen unserer Zeit, wenn Medien wichtiger als in der Vergangenheit unsere Überzeugung ausdrücken und verbreiten, egal welche Umstände dieses betrifft.

    Der 25. Juni - ist ein Tag, welcher in die Geschichte eingeht. Es ist der Todestag eines wahren Humanisten. Michael Jackson war 2 mal nominiert für den Friedensnobelpreis. Er hat beide male abgelehnt und meinte es gäbe andere welche mehr als er, für die Gemeinschaft und den Frieden in unserer Welt beigetragen haben und diesen verdienen. Mutter Theresa sagte etwas ähnliches nur mit anderen Worten: Sie bat nicht sie zu rühmen oder ihre Handlungen des Mitgefühls der Menschheit gegenüber, da sie Gott nicht verärgern wollte. Nelson Mandelas Zustand ist sehr kritisch zur Zeit. Ein Ausspruch Nelson Mandelas war: Ich persönlich fand Stärke in Michael Jackson.

    Ich ersuche Sie, zwischen den Zeilen zu lesen und die Botschaft des Friedens in Herzen in die Welt hinauszutragen. Verhüllen sie die "Bubbles Aktion" wenigstens für diesen Tag. Als Respekt vor der höheren Macht.

    Mit herzlichen Dank und tiefster Verbundenheit im Namen der Menschlichkeit!

    Ihre Vivien Rose
    Freie Journalistin und Buchautorin

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