Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Albert Hermann am 14. Dezember 2012
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Bildung und Kultur

Bildungscampus Freiham

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Ude,

warum wird die Realisierung dieses riesigen Planungsvorhabens (neuer Stadtteil mit allen öffentlichen Einrichtungen) nicht zwingend von Zukunftsszenarien und aktiver Bürgerbeteiligung abhängig gemacht?

Die Planung läuft bisher intransparent ohne Bürgerbeteiligung!
Änderungsvorschläge, z.B.: „Pädagogisches Konzept der REGSAM-West-Gruppe“ werden ignoriert. Nur der Name „Bildungscampus“ aus dem Konzept wird übernommen.
Wer kann erklären, was man darunter versteht?

Eine Bürgerbeteiligung ist trotz Initiative im Stadtrat und Versprechen vom Referat BS immer noch nicht organisiert!

Die Grobplanung Freiham ist eine unkritische Kopie der Stadtteile Hasenbergl, Neuperlach, Riem
- unverändertes Planungsvorgehen mit dezentralen
Strukturbausteinen für Schulen, Jugend- und Bürgerzentrum
- keine Anpassung an zukunftsorientierte Entwicklungen
(gesellschafts- und bildungspolitisch)
- Betonierung des gegliederten Schulsystems für Schulen in
Freiham wie im 19. und 20. Jahrhundert!
- Passive Schlafstadt,
weil Stadtteil ohne Dorfkern bzw. aktives Zentrum geplant ist.
- dezentrales Jugend- und Bürgerzentrum, ohne große
Wirkung für alle Jugendlichen und alle Bürger im Viertel.

Die Planung muss neu aufgesetzt werden!
Es fehlt ein Zukunftsszenario, deshalb sind Fehlentwicklungen vorprogrammiert. Es ist absehbar, dass bereits bis zum geplanten Fertigstellungstermin oder kurz danach teuere Korrekturen anfallen (siehe Beispiel Gymnasium Trudering), oder Korrekturen wegen horrender Kosten nicht mehr möglich sind!

Vision:
Freiham wird ein „aktiver“ Stadtteil mit einem „offenen“ Bildungscampus, der als Dorfkern und Stadtteilzentrum wirkt:
Ein „offener“ Bildungscampus fungiert als „aktives“ Stadtteilzentrum mit folgenden Angeboten:
- Bildungsknotenpunkt
- Sport- und Freizeitzentrum
- Jugend- und Bürgerbegegnungsstätte

Verhindern Sie bitte ein Weiterwursteln und veranlassen Sie bitte eine kritische Überprüfung, bevor im 1. Halbjahr 2013
die Rahmenplanung mit falschen Vorgaben anläuft. Wenn das Projekt so weiterläuft, wird es allen Beteiligten auf die Füsse fallen. Zukunft sieht heute schon erkennbar anders aus.

Beziehen Sie bitte auch Spitzenberater und und engagierte Bürger mit ein, auch wenn diese nicht in Freiham wohnen.

Die Planung für Freiham muss zukunftsorientiert und transparent auf neue Beine gestellt werden, damit wir uns kostengünstig die Zukunft erschließen können.

Ich würde mich gerne, wie viele andere, in die Planung mit klaren Vorstellung und Fragen einbringen.

Ihr Facebook-Adventsspruch am 1.12. macht mir Hoffnung:
"Nichts auf der Welt ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Victor Hugo

Freue mich auf Ihre Antwort

Mit freundlichen Grüßen

Albert Hermann

+211

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Antwort
von Christian Ude am 18. April 2013
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Hermann,

vielen Dank für Ihr Engagement und Interesse an der Planung Freiham, insbesondere an dem geplanten Schulcampus Freiham mit insgesamt vier Schulen.

Ihren Ausführungen zur Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Planung Freiham allgemein sowie bei der konkreten Planung des Schulcampus wie auch Ihren inhaltlichen Anmerkungen möchte ich aber entschieden widersprechen.

Für die Planung Freiham wurde im Jahr 2011 ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb durchgeführt, dessen Ergebnisse vielfach der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert wurden. Insbesondere drei öffentliche Ausstellungen, davon zwei vor Ort in Aubing und Neuaubing, eine öffentliche Podiumsdiskussion vor Ort, mehrere Vorstellungen in öffentlicher Sitzung des örtlichen Bezirksausschusses sowie eine regelmäßige in das MVHS-Programm aufgenommene Veranstaltung sprechen eine deutliche Sprache. Besonders hervorheben möchte ich, dass die Landeshauptstadt bereits mit dem Wettbewerbsergebnis im Frühjahr 2012 – also vor Beginn der Rahmen- bzw. Bauleitplanung – eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung einschließlich einer Erörterungsveranstaltung vor Ort durchgeführt hat. Die Anregungen der rund 50 teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger sowie die insgesamt etwa 20 zu diesem Thema eingegangenen Schreiben konnten somit schon zu Beginn der Rahmenplanung mit berücksichtigt werden.

Inhaltlich kann ich Ihnen mitteilen, dass in Freiham bereits mehrere tausend Arbeitsplätze geschaffen worden sind, bevor die konkreten Planungen für die Wohnquartiere überhaupt umgesetzt werden. Von einer passiven Schlafstadt kann somit keine Rede sein. Auch sind für den Wohnungsschwerpunkt im 1. Realisierungsabschnitt fast die Hälfte aller Baugrundstücke für öffentliche Nutzungen vorgesehen. Ein großzügiges Stadtteilzentrum mit einer breiten Palette an überörtlichen Handelseinrichtungen, Arbeitsplätzen und Dienstleistungen wird ergänzt durch ein Quartierszentrum für die örtlichen Bedarfe und drei vier Schulen – eine Grundschule, ein sonderpädagogisches Förderzentrum, ein Gymnasium sowie eine Realschule – mit einem Einzugsbereich, der den gesamten Münchner Westen umfasst. Der rund 8,5 ha große Sportpark mit einer Öffnung für den Breitensport richtet sich ebenfalls an alle Bürgerinnen und Bürger im gesamten Münchener Westen sowie in den angrenzenden Gemeinden. Deshalb wird der neue Stadtteil gerade auch an den Abenden und am Wochenende belebt sein.

Das Referat für Bildung und Sport führte im Auftrag des Münchner Stadtrats unter Leitung der Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung einen Beteiligungsprozess zum „Bildungscampus Freiham“ durch. Vom 19. bis 23. Februar 2013 fanden dazu zwei Beteiligungsveranstaltungen statt. Den Auftakt bildet die „Beteiligungswerkstatt“ für Kinder und Jugendliche aus ausgewählten Schulen, die vom 19. bis 22. Februar stattfand. Am 22. und 23. Februar 2013 folgte der Erwachsenenbeteiligungsprozess, in dem auch die Ergebnisse der Ideen- und Kreativwerkstätten der beteiligten Kinder- und Jugendlichen einflossen.

Die Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung des Referats für Bildung und Sport als federführende Organisatorin des Beteiligungsprozesses hat in einer Bekanntgabe für den Stadtrat alle Empfehlungen bezüglich des Bildungscampus Freiham, sowohl die der Beteiligungswerkstätten für Kinder und Jugendliche als auch der Zukunftskonferenz, vollständig erfasst und aufgeführt. Die Bekanntgabe und viele weitere Informationen werden auf der Internetseite www.bildungscampus-freiham.de eingestellt.

Die abschließenden Empfehlungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Zukunftskonferenz gliederten sich in drei Aspekte, mit denen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene auseinandergesetzt hatten:

• Ideen zu zukunftsfähigen Schulen
• Vernetzung der Schulen auf dem Bildungscampus untereinander
• Öffnung des Bildungscampus zum Stadtteil

Als übergeordnete Ziele zur Gestaltung zukunftsfähiger Schulen wurde formuliert, dass Inklusion ermöglicht und Schulen so strukturiert werden, dass sie heutige Bedürfnisse und zukünftige Entwicklungen befriedigen und ermöglichen können.
Die Ausstattung mit Räumen sowie die Gestaltung der Räumlichkeiten war Kindern und Erwachsenen gleichermaßen wichtig. Dies drückte sich unter anderem auch darin aus, dass Schülerinnen und Schüler forderten, ein Schulgebäude nicht als statisches, unveränderbares Kunstwerk zu sehen. Es sollte stattdessen lebendiger, wandelbarer Bestandteil des schulischen Lebens sein und damit den unterschiedlichen Bedürfnissen angepasst und vor allem gestaltet werden können. Schule soll zudem positiver Lebensraum sein, was sich in farbigen und lichtdurchfluteten Räumen ausdrücken kann.

Neben unterschiedlichen Sitzplätzen und Aufenthaltsmöglichkeiten in allen Bereichen des Bildungscampus sollen die Räumlichkeiten auch viel Bewegung zulassen – ein besonders bei den Kindern und Jugendlichen häufig geäußertes Anliegen. „Freiluftklassenzimmer“ (auch überdacht) ermöglichen einen Wechsel des Lernorts.

Die Kinder und Jugendlichen äußerten klare Vorstellungen, welche Voraussetzungen sie benötigen, um gut und gerne lernen zu können. Sie fordern unter anderem: „Lernen geht auch anders! Wir brauchen unterschiedliche Lernorte, Lernsituationen und Lernatmosphären (warm, hell, frische Luft, in der Natur) für die verschiedenen Lerntypen. Abwechslung zwischen Konzentrations-, Bewegungs- und Ruhephasen ist uns wichtig.“ Zugleich regen sie an: „Sind Lernbüros eine Idee für die Zukunft?“

Hinsichtlich der Vernetzung der Campusschulen waren vor allem die gemeinsam genutzten Bereiche Thema, so beispielsweise auch die Gestaltung des Essensraums: Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Beteiligungsprozesses waren sich einig, dass es mehrere Mensen geben sollte, die nicht nach Schulart, sondern altersbezogen aufgeteilt sind. Gerade die Kinder und Jugendlichen sehen in altersbezogenen Mensen eine Chance, Kontakte zu Freundinnen und Freunden aufrecht zu erhalten, auch wenn sich die Schullaufbahn unterscheidet.

Einigkeit herrscht darüber, dass der Bildungscampus eine zentrale Rolle für das Leben im Stadtteil Freiham einnehmen soll.

Die Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung des Referats für Bildung und Sport als federführende Organisatorin des Beteiligungsprozesses hat in einer Bekanntgabe für den Stadtrat alle Empfehlungen bezüglich des Bildungscampus Freiham, sowohl die der Beteiligungswerkstätten für Kinder und Jugendliche als auch der Zukunftskonferenz, vollständig erfasst und aufgeführt. Die Bekanntgabe und viele weitere Informationen werden auf der Internetseite www.bildungscampus-freiham.de eingestellt.

Sie sehen also, dass Sie mit Ihren Anregungen zur Planung in Freiham bei uns auf größte Zustimmung stoßen und wir Ihre Empfehlungen auch schon in vielerlei Hinsicht umgesetzt haben.

Mit freundlichen Grüßen