Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Autor C. Schmidt am 20. Dezember 2013
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Bildung und Kultur

Bildung fängt im Kindergarten an: Wahlpropaganda trifft Realität

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Ude,

seit einigen Jahren fällt ein schlechtes Licht auf die Bildungsrepublik "Deutschland". Obwohl das Bundesland Bayern in der PISA Studie vergleichsweise glimpflich davon gekommen ist, sind die Missstände nicht zu übersehen. Seit Jahren skandieren Politiker, dass die Zukunft dieses Landes von der Jugend und deren Bildungsniveau abhängt. Vor jeder Wahl werden die Bürger mit Absichtsbekundungen zu Verbesserungen im Bildungswesen, Chancengleichheit unabhängig der sozialen Herkunft von Kindern und der Verbesserung der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, förmlich zugeschüttet. Die Realität zeichnet jedoch ein gegensätzliches Bild. Es scheint als seien die großen Worte aus dem Wahlkampf am Wahlabend bereits um 18:00 Uhr wieder vergessen.

Meine Partnerin ist als Erzieherin bei der Stadt München angestellt und arbeitet in einem Kindergarten in Neuperlach-Süd, einem Stadtteil mit einem sehr hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Und ich muss Ihnen sagen, lange möchte und kann ich mir die tägliche Arbeitssituation nicht mehr anschauen. Der Personalschlüssel ist ein Desaster. Sobald ein Kollege oder eine Kollegin krankheitsbedingt ausfällt, Erholungsurlaub hat oder Weiterbildungen während der Dienstzeit besucht tritt der personelle Notstand auf. Reserven sind nicht vorhanden und bei einem Personalschlüssel der auch bei Anwesenheit aller besetzten Stellen eine Zumutung ist, braucht sich niemand wundern wenn sich die Berufseinsteiger nicht mehr für den Beruf des Erziehers/der Erzieherin entscheiden. Meine Partnerin ist häufig alleine mit 25 Kindern und den Leitern der anderen Gruppen geht es nicht anders. Wie kann ein öffentlicher Arbeitgeber verantworten, dass eine einzelne Erzieherin oder ein einzelner Erzieher die Aufsicht für 25 ihr/ihm anvertrauten Kinder übernehmen soll. Gleichzeitig sollen die Kinder beschäftigt, individuell gefördert und gefordert werden.
Häufig sind Eltern kaum der deutschern Sprache mächtig und somit findet eine Sprachförderung im privaten Bereich praktisch nicht statt. Logische Konsequenz: Ausschließlich Im Kindergarten sollen die Kinder auf den Übertritt in die Grundschule vorbereitet werden. Wie soll ein Kind in der Grundschule Wissen erwerben, wenn es nicht in der Lage ist sprachlich einem Lehrer zu folgen oder sich selbst angemessen in deutscher Sprache auszudrücken. Eine Benachteiligung im weiteren Bildungs- und Erwerbsleben ist unausweichlich. Mit Chancengleichheit, Integrationsbemühungen und einem Ausbau des Bildungswesens hat das nichts zu tun.

Bildung beginnt im Kindergarten. Die Erzieher in den städtischen Einrichtungen sind überlastet weil ständig Personal fehlt. So sind sie nicht in der Lage Kinder optimal auf den Übergang in das Schulleben vorzubereiten. Herr Oberbürgermeister, wann werden Sie etwas an dieser Situation ändern und den Personalschlüssel den Realitäten und Bedürfnissen anpassen?

Mit freundlichen Grüßen
Christian Schmidt

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