Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Kerstin Nagel am 27. Januar 2012
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Bildung und Kultur

Bevorzugung von Sprengelkindern in Tagesheimen

Sehr geehrter Herr Ude,

wie viele Eltern von Vorschulkindern, stelle auch ich mich zur Zeit der Herausforderung, einen Hort-/Tagesheimplatz für meine Tochter zu finden. Mir ist bewußt, dass die Stadt München hierbei momentan erhebliche Anstrengungen unternimmt, um die Situation zu verbessern. Ich begrüsse es wie viele Eltern, dass hier etwas unternommen wird. Dabei sind neben der hohen finanziellen Investitionsbelastung auch die künftigen Personalkosten und die Schwierigkeit, geeignetes Personal zu finden, nicht wegzudiskutieren. Daher ist es verantwortungsbewußt, klare und faire Spielregeln für die Vergabe von bestehenden Plätzen zu schaffen, die grundsätzlich die Frage der Dringlichkeit und des tatsächlichen Bedarfs berücksichtigen.

Ich habe keinerlei Verständnis für die Regelung der Stadt, dass ein Kind, das das Glück hat, in einem Tagesschulsprengel zu wohnen, grundsätzlich einen Anspruch auf einen Tagesheim-Vollzeitplatz hat, unabhängig davon, ob die Eltern überhaupt berufstätig sind oder nicht.
Diese Regelung wäre allenfalls dann akzeptabel, wenn es in jedem Schulsprengel eine Tagesheim-Schule gäbe. Von dieser Versorgung sind wir allerdings weit entfernt.

Daher bitte ich Sie an dieser Stelle eindringlich, diese Regel unverzüglich abzuschaffen. Zumindest sollten Kinder benachbarter Schulsprengel ohne Tagesheim denen im Schulsprengel gleichgestellt werden und grundsätzlich eine Prüfung des Bedarfs stattfinden. Die bestehende Regelung ist ungerecht und verschwendet Steuergelder. Gleichzeitig würde ein Abschaffen dieser Regel nichts kosten, der Stadt aber durch die (Weiter)beschäftigung beider Elternteile Steueinnahmen erhalten oder verbessern.

Ich freue mich auf Ihre Antwort und vor allem - auf Ihre Taten -

Kerstin Nagel

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Antwort
von Christian Ude am 28. März 2012
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Nagel,

Tagesheime sind Einrichtungen für Schulkinder zur Betreuung in der unterrichtsfreien Zeit. Aufgabe des Tagesheimes ist es dabei u.a., einen engen pädagogischen Verbund zwischen der jeweiligen Schule und dem Tagesheim im Sinn einer Ganztagsschule anzustreben.

Deshalb ist für den Besuch eines Tagesheimes zwingende Voraussetzung, dass das Kind auch in der zugehörigen Grundschule unterrichtet wird. Für Kinder aus anderen Sprengeln besteht jedoch die Möglichkeit, einen Gastschulantrag zu stellen. Dieser wird genehmigt, wenn an der gewünschten Schule sowohl ein Schul- als auch ein Tagesheimplatz für das Kind vorhanden ist.

Eine Änderung der Tagesheimsatzung dahingehend, dass sprengelfremde Kinder den sprengelangehörigen Kindern gleichgestellt werden, würde dem Konzept der Tagesheimbetreuung und auch der bestehenden Sprengelpflicht beim Besuch einer Grundschule widersprechen.

Ich möchte Sie bei dieser Gelegenheit auch auf die anderen Nachmittags- und Ganztagsangebote für Grundschulkinder aufmerksam machen:

Neben den Tagesheimen bestehen an derzeit 29 Münchner Grundschulen gebundene Ganztagszüge. Das heißt, dass die jeweiligen Schulen eine oder zwei Klassen von Jahrgangsstufe 1 bis 4 als Ganztagsklasse führen. Über den Tag verteilt wechseln sich Unterrichtsstunden mit Übungs- und Studierzeiten sowie sportlichen, musischen oder künstlerischen Förderangeboten ab. Die Kinder haben von Montag bis Donnerstag täglich 7 Stunden Unterricht, am Freitag in der Regel bis mittags. Für den Besuch einer Ganztagsklasse müssen die Eltern bis auf das Verpflegungsgeld keine Gebühren bezahlen. Sollte in der Sprengelschule Ihres Kindes keine Ganztagsklasse angeboten werden, können Sie sich an eine andere Grundschule, an der eine solche Klasse angeboten wird, wenden. Sollte Ihr Kind dort einen Platz in der Ganztagsklasse erhalten, wird die Schule beim Staatlichen Schulamt eine Zuweisung beantragen. In einem solchen Fall müssen Sie also keinen Gastschulantrag stellen. Einen Überblick über die Standorte Ganztagsschulen in München finden Sie im Internet auf der Seite www.muenchen.de/bildung-und-sport.

Weitere Betreuungsmöglichkeiten bieten die städtischen Horte bzw. die Horte freier Träger.

Zudem gibt es an fast jeder Grundschule eine Mittagsbetreuung – je nach Konzept des Trägers ist hier eine Betreuung bis 16.30 Uhr möglich. Sollten Sie in Ihrem Sprengel keinen solchen Platz erhalten, haben Sie auch hier die Möglichkeit, einen Platz in einem anderen Sprengel zu suchen und dann einen entsprechenden Gastschulantrag zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen