Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Alexander Hamp am 27. Juni 2013
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Planen und Bauen

Bebauung Messestadt Ost / Vorschlag für weiterführende Schule

Sehr geehrter Herr Ude,

die vom Baureferat vorgestellte Bebauung der freien Flächen an der U-Bahn Messestadt Ost stößt bei nahezu allen Anwohnern auf Unverständnis. Leider gehen die Planungen am tatsächlichen Bedarf weit vorbei. Das insbesondere von der Öffentlichkeit und den Medien viel diskutierte Risiko, dass die Messestadt sich dauerhaft negativ entwickeln könne, rückt damit in greifbare Nähe und droht - werden die Pläne umgesetzt - wahr zu werden.

Auch wurde auf der letzten, gut besuchten Podiumsdiskussion in der Messestadt offenbar, dass zwischen Baureferat, Referat für Bildung und Sport und dem Planungsreferat die dringend notwendige Abstimmung bisher nicht erfolgte.
So sei seitens des Referates für Bildung und Sport kein Bedarf an weiterführenden Schulen an das Baureferat gemeldet worden, da diese offenbar mit noch immer falschen Planzahlen arbeiten.

Bei ca. 400 Grundschülern pro Jahrgangsstufe in der Messestadt werden gemäß Münchner Durchschnitt 58%, das sind ca. 230 Schüler, später das Gymnasium besuchen. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die 58% nicht auf die Messestadt zutreffen, bleiben immer noch um die 200 Kinder – genug für ein ganzes Gymnasium. Diesen Kinder müssen sich zwangsläufig auf die Gymnasien im weiteren Stadtgebiet verteilen. Die naheliegenden Gymnasien sind überfüllt; das neue Truderinger Gymnasium kann kaum Kinder der Messestadt aufnehmen. Schließlich wird auch in Trudering viel gebaut und der Zuzug von kinderreichen Familien in das östliche Stadtgebiet ist groß.

Die Annahme des Planungsreferates, dass bei ca. 500 geplanten Wohnungen an der Messestadt Ost nur mit 1200 Bewohnern gerechnet wird, überrascht. Unserer Einschätzung nach ist eher mit 2000 Bewohnern zu rechnen. Welche Schulen sollen diese Kinder besuchen?

Dass an der Messestadt Ost die Geschoßflächenzahl der geplanten Bebauung auf 2,5 festgesetzt wurde, im 4. Bauabschnitt aber nur auf 0,9 entzieht sich in Hinblick auf die nicht gerade positive Entwicklung der Messestadt jeglicher Logik. Die Stadt braucht dringend Wohnraum, folglich kann und darf kein Luxus-Bauabschnitt mit GFZ 0,9 erstellt werden. Und ein GFZ von 2,5 sprengt den für die Messestadt verträglichen Faktor.

Meine dringende Bitte an Sie:
Bitte sorgen Sie dafür, dass die Stadtreferate endlich konstruktiv miteinander reden und vor allem die vielen engagierten Bürger der Messestadt ein Mitspracherecht bekommen.
Bitte stellen Sie die Weichen für die Messestadt um, so dass sie sich positiv fertig entwickeln kann und den Kindern der Messestadt eine angemessene Zukunftsperspektive geboten wird.

Was an den freien Flächen um die U-Bahnhaltestelle Messestadt Ost benötigt wird, ist eine Infrastruktur, die den vielen Bewohnern ein dauerhaft friedliches Zusammenleben ermöglicht:

1. Eine Stadtbibliothek als Ort für Bildung und Begegnung und als weitere Möglichkeit soziale Brennpunkte aufzufangen. Hier kann auch mit ehrenamtlicher Mithilfe der Anwohner sicherlich eine kostengünstige Lösung gefunden werden.

2. Weiterführende Schulen.
Vorschlag: Bau einer Realschule an der U-Bahn und - ggf. auch nur zeitweise - Umwidmung der Berufsschule in ein Gymnasium. Bei der Berufsschule wird ohnehin die Stadtrandlage stark kritisiert und ein zentraler Platz in der Stadt wäre geeigneter. Das Gebäude ist für ein Gymnasium hervorragend geeignet und bei den geplanten Bebauungsmaßnahmen in Trudering/Riem bleiben die Schülerzahlen sicherlich über Jahrzehnte konstant hoch.

3. Eine weitere Turnhalle, um die Nachfrage nach sinnvoller Freizeitbeschäftigung zu decken. Die vorhandenen Hallen sind mehr als ausgelastet, für mehr Hallen ist ein hoher Bedarf der Vereine vorhanden.

4. Weitere stadtplanerisch interessante Ideen sind bei den Anwohnern vorhanden. Sie müssen „nur“ gehört werden.

Lieber Herr Ude, ich vertraue darauf, dass es Ihnen im überschaubar großen München gelingt die geeigneten Maßnahmen aufzusetzen um die Messestadt im Sinne der Stadt und der Anwohner dauerhaft zu dem Vorzeigeobjekt zu machen, als das die Messestadt immer noch gilt.

Für Ihr Engagement als Oberbürgermeister der Stadt München bedanke ich mich im Voraus und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Alexander Hamp

+338

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Antwort
von Christian Ude am 26. August 2013
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Hamp,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 27. Juni zur Bebauung der Messestadt Ost, für deren Beantwortung mehrere Referate und Abteilungen zuständig waren, so dass die Beantwortung leider etwas Zeit in Anspruch genommen hat.

Zu Ihren konkreten Fragen kann ich Ihnen Folgendes mitteilen:

Stadtteilbibliothek:
Die bauplanungsrechtlichen Festsetzungen für die Baugebiete am U-Bahnhof Messestadt Ost ermöglichen zwar grundsätzlich die Realisierung einer Stadtteilbibliothek als Bestandteil eines gemischt genutzten Gebäudes. Im Rahmen der Spartenabfrage zum Bebauungsplan erfolgte hier jedoch keine Bedarfsanmeldung von Seiten des Kulturreferats.

Weiterführende Schulen:
Wie im Beschluss des Stadtrates vom 03.07.2013 „Schulbauoffensive (SBO) 2013/2030“ (http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII/ris_sitzung_to.jsp?ri...) dargestellt, wird vom Referat für Bildung und Sport (RBS) ein starker Anstieg der Zahl der RealschülerInnen und GymnasiastInnen für ganz München erwartet. Deshalb ist das RBS beauftragt, mittels der neu gegründeten, referatsübergreifenden „Arbeitsgruppe Schulbauoffensive 2013/2030“ für die bedarfs- und zeitgerechte Bereitstellung schulischer und sportfachlicher Infrastruktur zu sorgen. D.h. überall in München wird nach neuen Schulstandorten gesucht. Es wird geprüft, ob an bestehenden Schulstandorten Erweiterungen möglich sind und der Immobilienmarkt wird sondiert, um ggf. geeignete Räume und Gebäude zur Verfügung zu stellen. Explizit wurden die Referate in diesem Beschluss beauftragt, „bis Ende 2013 zu prüfen, ob im Münchner Nordosten sowie im Bereich Trudering-Riem, Messestadt Riem Standorte für eine Realschule und ein Gymnasium gesichert werden können.“
In diesem Rahmen wird gerade von der Arbeitsgruppe Schulbauoffensive 2013/2030 der potentielle Schulstandort Technologiepark II südlich untersucht. Im o.g. Beschluss des Stadtrates wurde das RBS beauftragt, eine räumliche Bedarfsplanung für die öffentlichen beruflichen Schulen in München dem Stadtrat vorzulegen. In diesem Zusammenhang wird auf den Vorschlag der Verlagerung der beruflichen Schulen in der Messestadt eingegangen werden.

Turnhalle:
Im Falle der Errichtung einer weiterführenden Schule in der Messestadt würde natürlich auch die notwendige Turnhalle errichtet. Diese stünde dann auch den Vereinen zur Verfügung.

Weitere stadtplanerisch interessante Ideen aufnehmen:
Zahlreiche Anregungen und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger vor Ort, die den von Ihnen angesprochenen Themen weitgehend entsprechen, wurden im Zuge der vorzeitigen Bürgerbeteiligung im Rahmen des Bebauungsplan- verfahrens geäußert. Diese Anregungen und Bedenken werden dem Stadtrat vorgelegt, der sie in seine Abwägung einbezieht, wenn er über die Billigung des Bebauungsplans berät. Im Rahmen der Durchführung der Beteiligung der Öffentlichkeit gem. § 3 (2) Baugesetzbuch, voraussichtlich im Herbst 2013, besteht für die Bürgerinnen und Bürger erneut die Möglichkeit, ihre Anregungen und Bedenken einzubringen.

Neben Ihren konkreten Fragen hatten Sie auch die Einwohnerprognose des Planungsreferats sowie die Festsetzung der Geschoßflächenzahl hinterfragt.

Hierzu kann ich Ihnen mitteilen, dass die Erkenntnisse über die Zuzugsstrukturen auf der Analyse sämtlicher Neubaumaßnahmen zwischen den Jahren 2001 und 2011 beruhen. Hierbei wird das Einzelalter erfasst, so dass sehr genaue Rückschlüsse auf die zu erwartenden Kinderzahlen möglich sind. Die Einwohnerzahl absolut lässt solche Rückschlüsse nicht zu. Unter Berücksichtigung der ermittelten Zuzugsquoten ist demnach bei den zu erwartenden 430 Wohneinheiten mit rund 1.300 neuen Bewohnern zu rechnen.

Die baulichen Dichten in den neuen Wohngebieten entsprechen anderen, derzeit im Stadtgebiet realisierten Wohnbauprojekten, die der hohen Nachfrage nach Wohnraum in München nachkommen. Die mögliche Ausrichtung der Gebäude, überwiegend nach Süden, das für das Stadtgebiet herausragende Angebot an Grünflächen im direkten Umfeld der Neubebauung und die direkte Anbindung an die U-Bahn sind gute Voraussetzungen für die Realisierung von Wohnungen mit hoher Wohnqualität, auch wenn höhere Dichten im Wohnungsbau vorgesehen werden als bisher in der Messestadt realisiert wurden. Ein hinsichtlich Höhenentwicklung, Blockausformung und Innenhofgestaltung ausgewogenes räumliches Konzept für die einzelnen Baublöcke sichert darüber hinaus hohe Wohnqualitäten.

Die aufgeführten niedrigeren Bebauungsdichten in den südlichen und westlichen Teilgebieten der Messestadt (z.B. 4. Bauabschnitt) folgen dem Grundprinzip des kontinuierlichen Übergangs zwischen städtischen Quartieren im Norden und dem Landschaftsraum des Riemer Parks und sind demnach nicht auf die Flächen am U-Bahnhof Messestadt Ost übertragbar.

Ich hoffe, Ihre Fragen damit umfassend beantwortet zu haben und bedanke mich für Ihr Engagement für die Messestadt!

Mit freundlichen Grüßen

Christian Ude


Kommentare (4)Schließen

  1. Autor Nicole Moser
    am 29. Juni 2013
    1.

    Bei einer solchen Kinderreichen Siedlung wie in der Messestadt wäre vorallem ein Kinderarzt sehr sehr willkommen und dringend Notwendig.
    Auch ein Discounter wie Aldi, Penny wäre dringend notwendig.
    Eine Post würde die Messestadt ebenfalls benötigen. Es gibt lediglich in den Riem Arcaden neben dem EDEKA einen einzigen Schalter bei dem man seine Post abgeben kann oder auch Briefmarken kaufen kann. Jedoch alle Postleistungen stehen dort leider nicht zur Verfügung. Auch für Pakete die man nicht annehmen konnte wenn man mal nicht zuhause ist, muss man nach Trudering fahren. Wenn man aber kein Auto hat ist es schier unmöglich ein Paket welches dann auch etwas schwerer ist, mit den öffentlichen abzuholen.

    Wie obiger Autor bereits erwähnt. Die Messestädter hätten viele stadtplanerische Ideen, die wirklich und endlich mal angehört werden sollten.

    In diesem Sinne, auf gutes Gelingen

    Eine Messestädterin

  2. Autor Kerstin Hartig
    am 30. Juni 2013
    2.

    Auch ich sehe dringenden Bedarf für weiterführende Schulen in der Messestadt!
    Die geplante GFZ von 2,5 für die Bebauung an der U-Bahn-Station Messestadt Ost sehe ich ebenfalls sehr kritisch im Hinblick auf die Sozialstruktur des gesamten Stadtteils... die eher niedrige GFZ von 0,9 im neuen 4. Bauabschnitt (Messe West) erscheint mir als ein Zugeständnis der Stadt, die gesamte Struktur der Messesadt aufwerten zu wollen... was ich für durchaus richtig halte!
    Kerstin Hartig, Architektin+Stadtplanerin, Agropolis München

  3. Autor Marc Rudolph
    am 30. Juni 2013
    3.

    Das ist nicht die erste Frage an OB Ude zu Themen der Messestadt - es gibt hier schon einige. In der Regel fundierte und konstruktive Ansätze.

    Und auch diese wird zwar zur Beantwortung angenommen werden - aber dann wohl in der Versenkung verschwinden (wie meine Frage dazu vor mehr als drei Monaten).

    Hier werden nur Fragen zu ungefährlichen Themen beantwortet, wie Klohäuschen am Odeonsplatz oder andere "wichtige" Anliegen.

    Die wirklich relevanten Themen werden wohl erst nach der Wahl veröffentlicht. Ob dann mehr kommt als leeres Bla-Bla, bleibt aber fraglich.

    Wer die Arroganz, Ignoranz und Gleichgültigkeit der (Mit-) Verantwortlichen (bei der Stadtverwaltung) bei der letzten Podiumsdiskussion (u.a.) zu dem Thema mitbekommen hat, kann eigentlich nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln.

    Da lockt man erfolgreich tausende Familien in einen neuen Stadtteil und wundert sich dann, dass dort auch Schulen gebraucht werden. Schließlich tauchen die Kinder nicht "aus dem Nichts" auf. Alle Kinder werden direkt nach Ihrer Geburt "aktenkundig". Von da an bleiben noch mindestens 10 Jahre, bis sie in eine weiterführende Schule gehen müssen.

    Das sollte doch verdammt noch mal reichen, den Bedarf einigermaßen abzuschätzen und entsprechend zu handeln - zumal die Misere in den umliegenden Quartieren Alt-Riem und Trudering auch schon seit Jahren (eigentlich Jahrzehnten) bekannt ist.

    Wie gesagt: man kann nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln.

  4. Autor Ralf Burkert
    am 01. Juli 2013
    4.

    Sehr geehrter Herr Ude, liebe interessierte Leser,

    ich möchte daran erinnern, dass bereits am 19.03.13 ein Beitrag zur Messestadt auf dieser Plattform eingestellt wurde er behandelt ebenfalls die Diskussion um die soziale Entwicklung des Stadtteils und die unterdimensionierte Infrastruktur – vor allem aber die vor diesem Hintergrund völlig unverständliche Planung zum Gelände an der U-Bahnstation Messestadt Ost (B-Plan 2065). Dieser Bebauungsplan wird übriges bereits am 03.07.13 dem Planungsausschuss zum „Billigungsbeschluss“ vorgelegt.

    Der Beitrag vom 19.03.13 wurde zur Beantwortung weitergeleitet, die Antwort steht jedoch noch immer aus, obwohl zahlreiche jüngere Beiträge bereits beantwortet wurden. Ich frage mich warum?
    Einen persönlichen Brief vom März 2013 mit ähnlichem Inhalt von mir an Sie, Herr Ude, haben Sie inzwischen beantwortet. Warum diesen öffentlichen nicht?

    Ich kann Ihnen, Herr Hamp, in jedem Punkt nur zustimmen. Ich wünsche mir mehr Sensibilität im Umgang mit den Bewohnern der Messestadt, da es sich bei unserem Stadtteil um nicht weniger als um ein Pilotprojekt handelt. Mehr Bürgerbeteiligung, weniger „verkürzte“ Verfahren wären angezeigt.
    Darüber hinaus wünsche ich mir, dass der Beitrag vom 19.03.13 endlich beantwortet wird und dass auch der obige Beitrag von Herrn Hamp in kürzerer Zeit als einem viertel Jahr beantwortet wird.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ralf Burkert

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