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Beantwortet
Autor C. Dr. Rechenauer am 09. Oktober 2009
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Bildung und Kultur

Baufälliges Gymnasium München-Moosach

Sehr geehrter Herr Ude,
ich war heute im Rahmen eines Elternabends wieder einmal in dem Gymnasium München-Moosach, in das meine Tochter in die 7. Klasse zur Schule geht. Dabei mußte mit Entsetzen wiederum feststellen, dass sich das Gebäude von einem Besuch zum Anderen in etwa halbjährigen Abstand in einem immer schlechteren Zustand befindet. Dieses Mal mußten wir zur Kenntnis nehmen, das es sogar in einigen Klassenzimmern durch das offensichtlich undichte Flachdach hereinregnet. Die Lehrer können dem nur noch mit einem Eimer entgegenwirken!
Der Keller ist nahzu ständig unter Wasser!!! und damit nicht nutzbar.
Es hängen überall kaputte Deckenpanele herunter, ein Großteil der Leuchten ist defekt mit gesprungenen Abdeckungen, Kabel hängen lose in der Aula, etc.
Wenn Sie in dieses düstere, fensterarme Betongebäude gehen, hat man sogar aus Energiespargründen nur noch etwa jede 3. Lampe an, mit der Folge, dass dieser düstere Bau noch deutlich bedrückender und unfreundlich wirkt.
Darüber hinaus verursacht der Unterhalt dieses Gebäudes aufgrund seiner katastrophalen Wärmedämmung exorbitante Heizkosten. Sie haben sich doch die CO2-Reduzierung der Stadt München auf die Fahnen geschrieben, da dürfen Sie derlei Verschwenung auch aus diesem Gesichtspunkt nicht tolerieren!
Trotz beständigem Bemühen des Schulleiters, ist es offensichtlich noch nicht einmal gelungen ein Gespräch am runden Tisch mit den Beteiligten zustande zu bringen, um wenigstens erste konkrete Schritte zu beschließen wie mit diesem maroden Bau umgegangen werden soll.
Wir haben in Deutschland nur unser know how, mit dem wir unseren Wohlstand sichern. Im dem globalen Wettbewerb, in dem wir stecken, müssen wir unbedingt der Bildung und unseren Kindern allererste Priorität einräumen. In vielen Politikerreden wird davon gesprochen, wie wichtig dies doch sei, aber getan wird verhältnismäßig wenig. Statt dessen werden Million in unsinnige Umbaumaßnahmen von Straßenkreuzungen und derlei wenig zukunfträchtige Projekte gesteckt.
Ich fordere Sie auf, das Gymnasium München Moosach abzureißen und ein neues Gebäude zu bauen.
Die derzeit durchgeführte Sanierung der Toiletten, die im übrigen schon ein 3/4 Jahr (!!!!!) dauert, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und es ist sicher unsinnig viel Geld in ein derart marodes Gebäude zu stecken.
Mein Fragen:
Warum wird für dieses Gymnasium noch nicht einmal ein Konzept erarbeitet, wie diese Situation kurzfristig verbessert werden kann? Warum werden Anfragen der Schulleitung und der Eltern usw. hierzu noch nicht einmal in der Verwaltung bearbeitet? Wann wird hier etwas Grundsätzliches getan?
Warum hat man das PPP-Konzept für eine kurzfristige Generalsanierung abgelehnt? Warum entwickelt man keine Alternativen wie z. B. einen Neubau?
Will man die Schüler bewußt der Gefahren aussetzen, die ein undichtes Dach und herabfallende Deckenteile mit sich bringen? Warum vernachlässigt man unsere zukünftgen Gesellschaftsträger derart? Ist das Gebäude nicht sogar teilweise einsturzgefährdet? Warum gelten für Schüler nicht die gleichen Vorschriften zur Ausleuchtung des Gebäudes wie für alle anderen öffentlichen Gebäude?
Warum toleriert man diese katastrophalen hygienischen Verhältnisse jahrelang?
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dieser Schule eine neue Perspektive kurzfristig geben könnten. Die Schüler zeigen beständig sehr viel Engagement und auch die Lehrer stehen zu Ihrer Schule, so dass aus meiner Sicht eine sehr gute und nette Schüler-Lehrer-Eltern-Gemeinschaft vorliegt, die Sie unterstützen sollten und unseren Kindern und zukünftigen Leistungsträgern eine Perspektive geben sollten.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Rechenauer

+37

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Antwort
von Christian Ude am 16. November 2009
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Dr. Rechenauer,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Da sich das zuständige Schulreferat bereits direkt mit Ihnen in Verbindung gesetzt hatte, darf ich im Folgenden aus dem Schreiben des Schulreferats zitieren:

„Zweifellos ist das Gymnasium München - Moosach als Teil des Schulzentrums Gerastraße alters- und bauartbedingt in einem in Teilbereichen sanierungsbedürftigen Zustand. Daher wurde, wie Ihnen bekannt ist, für das Objekt eine Sanierung im Rahmen eines PPP-Modells angedacht. Seit dem Jahr 2006 liefen hierzu umfangreiche Untersuchungen, welche jedoch nach den vorliegenden Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie nicht mehr fortgeführt wurden.
Mit Beschluss des gemeinsamen Ausschusses (Schul- und Sportausschuss, Bauausschuss, Finanzausschuss) am 21.04.2009 wurde eine entsprechende Entscheidung des Stadtrates herbeigeführt. Inhalt der Beschlussvorlage war außerdem ein formeller Untersuchungsauftrag für die Generalinstandsetzung des Schulzentrums.

Mit Hinblick auf die ausstehende Entscheidung über eine PPP-Maßnahme standen größere Baumaßnahmen sicherlich unter einem gewissen Vorbehalt, was allerdings keinen Einfluss auf dringend erforderliche Sanierungen hatte. Insbesondere im Sanitärbereich wurden in den letzten Jahren umfangreiche Arbeiten durchgeführt. Zwischen 2003 und 2005 erfolgten in verschiedenen Bereichen des Gebäudekomplexes Grundleitungssanierungen, in deren Rahmen die Toiletten, Umkleiden und Duschen der kleinen und großen Sporthalle sowie der Schwimmhalle erneuert wurden. Des Weiteren wurden im Jahr 2005 die Toiletten der Aula und des Werkraumbereiches saniert. Die Gesamtkosten dieser Maßnahmen beliefen sich nur im sanitären Bereich auf 1,47 Mio. Euro.

Hinzu kommen u.a. Flachdachsanierung, Heizungssanierung und die Schwimmhallensa-nierung. Insgesamt wurden innerhalb von vier Jahren etwa 4 Mio. Euro für Instandhaltungs- und Umbaumaßnahmen im Schulzentrum Gerastraße investiert.

In Anbetracht dieser Summe wird deutlich, dass die Landeshauptstadt München ganz erhebliche Finanzmittel im Bauunterhalt einsetzt. Trotz dieser großen finanziellen Aufwendungen im Bauunterhalt besteht im Schulzentrum aufgrund seiner umfangreichen Flächen in Teilbereichen jedoch weiterhin ein Sanierungsbedarf.

Die Toilettensanierung kann deshalb in diesem Zusammenhang keineswegs als unsinnig angesehen werden. Selbstverständlich sind wirtschaftliche Aspekte wesentlicher Bestandteil der Abwägung, welche baulichen Maßnahmen noch vor einer Generalinstandsetzung durchgeführt werden. Hygienische und sicherheitsrelevante Mängel sind jedoch mit großer Priorität zu sehen. Die Sanierung der von Ihnen angesprochenen Toilettenanlagen im 1. bis 3.Obergeschoss im Süd-Ostbereich mit Kosten i.H.v. 300.000,- Euro wird im November 2009 abgeschlossen, so dass in dieser Hinsicht eine Verbesserung der Situation herbeigeführt. werden konnte.

Die von Ihnen genannten baulichen Mängel werden vom Baureferat im laufenden Bauunterhalt turnusmäßig behoben. Eine Einsturzgefahr des Gebäudes muss in aller Deutlichkeit verneint werden. Sie können sicher sein, dass die Landeshauptstadt München alle Schulen in einem sicherheitskonformen Zustand erhält.

Ich stimme Ihnen zu, dass die Bauart und altersbedingte Defizite in der Wärmedämmung des Gebäudes unter dem Aspekt der CO2-Reduzierung kritisch zu sehen sind. Energetische Maßnahmen auch in Form einer Wärmedämmung des Gebäudes werden daher wesentlicher Bestandteil der geplanten Generalinstandsetzung sein.

Ihrer Forderung nach einem Abriss des Gymnasiums stehen allerdings schwerwiegende Gründe entgegen. Ein Abriss und Neubau wäre trotz des vorhandenen Sanierungsbedarfs in hohem Maße unwirtschaftlich. Außerdem bestehen keine Auslagerungsmöglichkeiten sowohl für das Gymnasium, als auch für die ja ebenso betroffene Grundschule sowie die Städtische Artur-Kutscher-Realschule. Des Weiteren ist äußerst zweifelhaft, inwiefern ein Neubau mit den erforderlichen Raumprogrammen auf dem vorhandenen Grundstück bau- und planungsrechtlich genehmigungsfähig ist.

Selbstverständlich werden alle Anfragen kontinuierlich bearbeitet und sowohl Elternbeiräte als auch die Schulleitungen über den jeweiligen Sachstand informiert. So findet am 20.November 2009 ein „Runder Tisch“ mit allen Beteiligten und Entscheidungsträgern statt. Hierzu wurden ebenfalls die Vorsitzenden der Elternbeiräte eingeladen.“

Ich hoffe, dass ich mit den vorstehenden Ausführungen ein gewisses Verständnis für die Schwierigkeiten wecken konnte, die mit dem Unterhalt eines Gebäudekomplexes von der Größenordnung des Schulzentrums Gerastraße verbunden sind. Im Rahmen des bald stattfindenden „Runden Tisches“ wird es sicherlich Gelegenheit für einen weiteren Informationsaustausch zwischen der Landeshauptstadt München als Sachaufwandsträgerin, den Schulleitungen und den Elternbeiräten geben.

Mit freundlichen Grüßen