Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Michael Richter am 06. August 2010
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Mobilität und Verkehr

Barrierefreie Zugänge zu U- und S-Bahnstationen

Sehr geehrter Herr Ude,

ich würde Ihnen gerne eine Frage stellen. Zum Glück bin ich nicht an den Rollstuhl gebunden, kann aber in meiner neu gewonnenen Rolle als Vater und "Kinderwagenfahrer" die Probleme von auf den Rollstuhl angewiesenen Bürgern sehr gut nachvollziehen. Ich bin bis jetzt zwei Mal mit dem Kinderwagen und der S-Bahn in die Stadt gefahren, einmal musste ich an der Haltestelle Donnersberger Brücke aussteigen, einmal am Marienplatz.

An der Donnersberger Brücke gibt es gar keine (!) Möglichkeit, die Bahnsteige mit Kinderwagen oder Rollstuhl zu verlassen. Es gibt lediglich eine Treppe, sowie eine Rolltreppe - deren Benutzung mit Kinderwagen jedoch explizit untersagt ist. Ein Verlassen des Bahnhofes oder auch nur ein Wechsel des Bahnsteiges, um z.B. ohne schwarz zu fahren umzusteigen ist nicht möglich. Als Kinderwagenfahrer kann man noch auf einen freundlichen Mitbürger hoffen, der einem hilft, den Kinderwagen die Treppe hoch zu tragen - als Rollstuhlfahrer hat man an dieser Station wohl einfach nur Pech gehabt.

Die Station Marienplatz bietet hier mehr. Ein Lift ist vorhanden. Der Zustand der Liftanlage ist jedoch leider eine Zumutung. Gerade am Marienplatz, mitten im repräsentativen Herzen unserer schönen Stadt, hätte ich so etwas nicht erwartet. Um vom Bahnsteig Fahrtrichtung Ostbahnhof zum Lift zu gelangen, muss man durch eine wenig einladend wirkende, versteckte Stahltüre, in einen gefliesten, verwinkelten Gang, der sowohl von der Optik, als auch vom Geruch stark an eine Toilette erinnert. Beim langen Warten auf den Fahrstuhl habe ich versucht eine evtl. angebrachte Überwachungskamera zu finden, konnte jedoch keine entdecken. Jetzt habe ich, als Mann und zur Stoßzeit, schon ein unbehagliches Gefühl an diesem Ort gehabt, ich möchte mir aber gar nicht erst vorstellen, wie es sich dort für eine junge Mutter anfühlen muss, die zu später Stunde dort entlang gehen muss.... Sollte es keine Überwachungskameras in den Zugängen zum Lift geben, bekommt niemand mit, wenn an dieser Stelle irgend etwas passieren sollte. Durch die Stahltüren ist der Gang vom Bahnsteig quasi abgeriegelt.

Meine Frage nun: Ist geplant, an der Situation der Barrierefreien Zugänge etwas zu verbessern? Konkret: Werden alle Umsteigebahnhöfe in absehbarer Zeit barrierefrei erreichbar sein? Wie wird die Sicherheit z.B. am genannten Lift am Marienplatz gewährleistet?

Hätte ich es selbst nicht gesehen, hätte ich gesagt, dass es solch einen Lift mit solch einem Zugang nicht geben kann. Bitte nehmen Sie sich mal fünf Minuten und besuchen Sie diese Räumlichkeiten - schließlich sind sie nur wenige Meter von Ihrem Büro entfernt - und machen sich ein eigenes Bild von den Zuständen.

Vielen Dank, dass Sie sich der Sache angenommen haben, mit freundlichen Grüßen

Michael Richter

P.S. leider lässt sich die URL der Flickr-Slideshow nicht im Linkformular eintragen. Sie ist hier zu finden: http://www.flickr.com/photos/52744370@N03/show/with/48638...

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Antwort
von Christian Ude am 02. Dezember 2010
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Richter,

erlauben Sie mir zunächst den Hinweis, dass für die barrierefreien Zugänge zu S-Bahnhöfen ausschließlich die Deutsche Bahn zuständig ist. Die Stadt hat bereits mehrfach an die Bahn appelliert, hier tätig zu werden.

An allen 94 U-Bahnstationen, für die die Stadt bzw. die MVG zuständig ist, ist der Zugang barrierefrei. Dies wird durch 725 Fahrtreppen und 169 Aufzüge sichergestellt.

In dem von Ihnen beschriebenen Treppenhaus bzw. Gängen zum Lift am Marienplatz gibt es derzeit tatsächlich keine Videokameras. Schon aus Gründen des hohen Fahrgastaufkommens existiert dort aber auch kein objektives Sicherheitsproblem. Allerdings sprechen Sie zu Recht das Thema „subjektive Sicherheit“ an, das auch die MVG sehr ernst nimmt. Schon jetzt sind die 94 U-Bahnhöfe flächendeckend mit über 800 Videokameras ausgestattet und angesichts der geplanten Sanierung des Zwischengeschosses im U-Bahnhof Marienplatz prüft die MVG nun auch den Einbau von Videokameras in dem fraglichen Bereich.

Der Bahnhof Marienplatz ist besonders stark frequentiert und wird deshalb auch besonders häufig gereinigt. So werden die beiden Aufzüge dort täglich gesäubert und gewischt und drei mal die Woche nass gereinigt. Hinzu kommen mehrmals jährlich Glas- und Grundreinigung. Und natürlich werden auch die Zugangsbereiche zu den Aufzügen im Treppenhaus regelmäßig gereinigt. Aber leider gibt es immer wieder Zeitgenossen, die öffentliche Einrichtungen verschmutzen, so dass trotz der überdurchschnittlich hohen Reinigungsleistungen ein entsprechend sauberer Zustand nicht immer garantiert werden kann.

Mit freundlichen Grüßen