Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor A. Dr. Schwarz am 27. Februar 2012
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Planen und Bauen

Aufstockung der Wohnanlage Gartenpark Guardini durch die Patrizia

Sehr geehrter Herr Ude,

kann die Stadt München zulassen, dass eine in architektonischer und gartenplanerischen Hinsicht harmonisch konzipierte Wohnanlage dem Profitstreben der Firma Patrizia Immobilien durch Aufstockung zum Opfer fällt? Wie weit liegt der Stadt München die Erhaltung architektonisch gelungener Wohnanlagen am Herzen?

Die Empörung seitens der Mieter- und Eigentümergemeinschaft in der Wohnanlage Gartenpark Guardini mit 193 Wohneinheiten (Guardinistr. 22-40, 44-54 und Stiftsbogen 12-18) ist groß, nachdem bekannt wurde, dass die Patrizia Immobilien AG ihr Ziel offenbar gegen jeden Widerstand durchsetzen wird, der Wohnanlage Dachaufbauten aufzusetzen, die das bisher bewußt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel unterschiedlicher Geschoßhöhen in ästhetischer Hinsicht zerstören werden (vgl. den Artikel in der SZ vom 18./19. 02. 2012, "Priorität für die Qualität"). Offiziell verpackt die genannte Immobilienfirma Ihre Interessen als "bestmögliche gestalterische und stadtplanerische Lösung" - dass es jedoch um profitable Interessen der Firma geht, die auf den Dächern einer gewachsenen Wohnlandschaft mit bisher zufriedenen Mietern und Eigentümern ausgetragen wird, lässt sich mit zahlreichen internen Fakten, die dem Verwaltungsbeirat der Wohnanlage vorliegen, belegen. Realistischer werden die Bestrebungen der Immobilienfirma in dem Artikel in der SZ vom 26. 01. 2012, "Patrizia will in Hadern hoch hinaus" von Berthold Neff dargestellt, der auf die Probleme der Mieter hinweist, die durch Aufstockungen ausgelöst werden.

Durch die Aufstockung kommen weitere Probleme auf die Mieter und Eigentümer zu:
-Radikale Baumfällungsarbeiten, die für Baufahrzeuge und Baumaterialien nötig werden (in einer "Hauruck"-Aktion wollte die Patrizia bereits 15 Bäume fällen, obwohl noch keine Baumfällungsgenehmigung vorlag, ein Mieter konnte mit Hilfe der Polizei die Aktion stoppen).
-Belästigung durch den mindestens ein Jahr dauernden Baulärm der vornehmlich älteren Mieterschaft
-Die Wasserver- und -entsorgung bis in die zusätzlichen Dachgeschoss-Wohneineiten wir in Frage gestellt
-Probleme der Statik: Baufahrzeuge fahen über den Tiefgaragenbereich, obwohl nicht einmal für PKW´s die Zufahrt genehmigt wird
-Beeinträchtigung des Sonneneinfalls im angrenzenden Quartier, davon sind die Anwohner in der Küchelstraße betroffen)
-Dachluken für Tageslicht in Bädern der oberen Geschosse entfallen durch Aufbauten
-kein zusätlicher Wohnraum für sozial schwächer gestellte Mieter

Nicht zuletzt möchte ich als Kunsthistorikerin dafür appellieren, die Wertigkeit der Wohnanlage als Beispiel für den Wohnungsbau aus der Zeit der 1970/80er- Jahre zu überprüfen - es zeigt sich nämlich bereits ein deutliches Interesse an architektonischen Zeugnissen dieser Zeit und es finden sich zunehmend Beispiele, Bauwerke aus diesem Zeitraum zu erhalten, wie der Entschluss der Unicredit, das Hypo-Hochhaus im Arabellapark in München zu sanieren und als zentralen Firmenstandort zu beziehen, vgl. hierzu auch Silke Langenberg, "Bauten der Boomjahre", Diss. Dortmund 2008.

Ich plädiere dafür, zum Erhalt der individuellen Wohnanlage in seiner ursprünglichen, abwechslungsreichen Konzeption mit seinem gewachsenem Baumbestand von einer Vielzahl an Obstbäumen und säumenden Pappeln im Sinne eines lebenswerten, urbanen Wohnens in München beizutragen.

Über Ihre Antwort freue ich mich sehr und verbleibe

Mit freundliche Grüßen

Dr. Annedore Schwarz

München

+125

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Antwort
von Christian Ude am 02. Mai 2012
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Dr. Schwarz,

ich danke Ihnen für Ihr Schreiben vom 27.02.2012. Sie sprechen sich darin gegen Pläne aus, in Ihrer Wohnanlage durch nachträgliche Aufstockungen neuen Wohnraum zu schaffen.

Hierzu bestätigt mir das zuständige Referat für Stadtplanung und Bauordnung, dass bei der Lokalbaukommission mehrere Bauanträge für Aufstockungen eingereicht worden sind. Nach Aussage der Bauherrin stehen diese Maßnahmen auch im Zusammenhang mit energetischen Ertüchtigungen und einer gestalterischen Aufwertung der Gesamtwohnanlage. Sie sollen damit auch den Wohnwert für alle Bewohnerinnen und Bewohner erhöhen.

Grundsätzlich halte ich Dachgeschossausbauten und Aufstockungen von bestehenden Wohnanlagen für einen willkommenen Beitrag zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum in bereits günstig erschlossenen Lagen. Natürlich bleiben während der Bauzeit Störungen nicht aus. Trotzdem zeigen viele realisierte Projekte, dass sich dieser Weg lohnt und auch in Verbindung mit gestalterischen Aufwertungen bei den Fassaden und Freiflächen ganz hervorragende Lösungen erreicht werden können. Gerade von städtischen Wohnbaugesellschaften sind mir dazu aus den letzten Jahren eine Reihe von sehr gelungenen Beispielen bekannt.

Die Wohnanlage an der Guardinistraße stellt in ihrer architektonischen Ausprägung heute ein einheitliches Gesamtkonzept dar und wird darin optisch durch eine sehr differenzierte Höhenstaffelung bestimmt. Damit die gestalterische Qualität, die Ihre Siedlung besitzt, nicht durch ein unkoordiniertes Vorgehen gefährdet wird, hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung für den betroffenen Bereich die Vorlage eines Gesamtkonzeptes verlangt. In diesem Zusammenhang wird dann auch auf die Bedeutung der Wohnanlage als Zeugnis einer zurückliegenden Zeitepoche einzugehen sein. Die für die Aufstockungen zum Teil erforderlichen Befreiungen vom geltenden Bebauungsplan werden selbstverständlich nur dann erteilt, wenn unter Berücksichtigung aller Belange das Ergebnis auch wirklich überzeugend ausfällt.

Soweit Sie auch anführen, dass betroffene Wohnungseigentümer und Eigentümergemeinschaften sich gegen die Pläne aussprechen, gehe ich davon aus, dass die zivilrechtlichen Aspekte unter den direkt Beteiligten geklärt werden.

Ich werde mich vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung über den weiteren Fortgang informieren lassen.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (11)Schließen

  1. Autor Jürgen Haunschild
    am 29. Februar 2012
    1.

    Den Ausführungen von Fr. Dr. Schwarz kann ich nur zustimmen. Man sollte dies auch im Kontext mit dem becorsehenden Verkauf der Landesbank-Wohnungen sehen.
    Man sollte Herrn Söder unbedingt davor warnen, den Zuschlag für diese Wohnungen der Augsburger Patrizia AG zu geben. In München gibt es mittlerweile einige tausend Patrizia-Geschädigte. 2006/2007 erwarb dieses Unternehmen eine große Anzahl Mietwohnungen der Münchener Rück. Diese wurden dann z. T. in Eigentumswohnungen umgewandelt. Als Vermieter trat die Patrizia nicht anders auf als z. B. die Dtsch. Annington: Mieterhöhungen bis zum Anschlag, Instandhaltung so gut wie keine, einige wenige oberflächliche Schönheitsmaßnahmen um die “Braut” für die Käufer aufzuhübschen und dann abkassieren. Und sogar auf die bereits verkauften Einheiten sollen dann Luxus-Penthouses gebaut werden – zum Nachteil der Mieter bzw. Einzelkäufer!
    Den derzeitigen GBW-Mietern kann man nur wünschen, daß ihnen dieses Schicksal erspart bleibt und daß sie an einen seriösen Investor, möglichst staatlich oder kommunal, kommen!

  2. Autor Gerit V.
    am 02. März 2012
    2.

    Auch ich kann mich den Ausführungen von Fr. Dr. Schwarz und dem vorherigen Kommentar nur anschließen.
    Ich als Mieterin wohne seit einigen Jahren in der Anlage, die gerade durch ihre Bauweise besonders und ein Zuhause für uns ist.

    Nichtsdestotrotz ist hier mehr Schein als Sein - seit die Patrizia die Anlage erworben und privatisiert hat, wird nur noch notdürftig geflickt, festgestellte Mängel werden trotz Vereinbarung seitens der Patrizia nicht abgestellt (als Beispiel möchte ich hier nur auf defekte Spielgeräte und marode Spielplätze hinweisen - auch wenn viele ältere Mieter hier wohnen, so gibt es die ein oder andere Familie mit Kindern, die gerade durch die Werbung beim Verkauf der Wohnungen durch die Patrizia angesprochen wurden).

    Mir stellt sich die Frage, wie die technische Infrastruktur (Strom. Heizung, Be- und Entwässerung) diese Aufstockung verkraften kann - Probleme in den vorhandenen Wohnungen sind vermutlich dann das Problem der jetzigen Eigentümer und Mieter...

    Aus den schlechten Erfahrungen, die ich als MIeterin Mietverhältnis mit der Patrizia gemacht habe, ist für mich nicht davon auszugehen, dass diese mit Priorität für die Qualität bauen will - einziges Ziel ist in meinen Augen Gewinnmaximierung zu Lasten der Eigentümer und Mieter in den privatisierten Wohnungen.

  3. Autor Gangolf Kolb
    am 05. März 2012
    3.

    Seit der Übernahme der Wohnanlage durch die Patrizia hat sich vieles zum Negativen verändert. Aufgrund von bis zu 20%igen Mieterhöhungen wurden zunächst langjährige, alteingesessene Mieter entmietet. Es war gleichzeitig nicht zu erkennen, dass die Patrizia dringend notwendige Instandhaltungsarbeiten erledigte. Ziel von der Patrizia war es vielmehr, die Instandhaltungen nach der Privatisierung den künftigen Eigentümern zu überlassen. Auch bei den geplanten Dachaufstockungen wurde von der Patrizia mit unseriösen Machenschaften gearbeitet. Bei den Kaufverhandlungen wurden auf konkrete Nachfrage seitens der Patrizia immer von 7 - 8 Einheiten gesprochen. Wie sich nun herausstellt, hat die Patrizia jetzt Planungen von 27 Dachgeschoßaufbauten vorgesehen. Wenn dies in dieser Größenordnung genehmigt werden sollte, würde das den individuellen Charakter der bisher wunderschönen Wohnanlage aufs schändlichste zerstören.
    Die Eigentümergemeinschaft und die Mieter haben mittlerweile den leider untrüglichen Eindruck gewonnen, dass es der Patrizia ausschließlich um die Wahrnehmung ihrer kommerziellen Interessen geht. Die Befürchtungen und Sorgen der Eigentümer und Mieter spielen hier keine Rolle mehr.
    Die bisherigen Verhaltensweisen der Patrizia haben uns allen gezeigt, dass diese Firma leider kein seriöser Partner für Immobilienangelegenheiten ist.

  4. Autor Ernst Landmann
    am 07. März 2012
    4.

    Der Artikel, der am 5.3. in der Süddeutschen Zeitung zu dieser Aufstockungsplanung erschien, weist auf einen ganz wichtigen Punkt hin: Die Patrizia möchte die Zustimmung der Stadt erreichen, indem sie eine Anzahl von Wohnungen im München-Modell zur Verfügung stellt.

    Das München-Modell erlaubt für Neubauwohnungen aber maximal qm-Preise von ca. 3.000 Euro. Die Preise der durch Aufstockung der bestehenden Gebäude geplanten Luxus-Penthouses werden sich aber in einem wesentlich höheren Segment befinden. Es bleibt dann also nur, eine entsprechende Anzahl Alt-Wohnungen anzubieten. In der fraglichen Wohnanlage stehen einige Wohnungen z. T. schon über ein Jahr leer.

    Ist das aber der Sinn des München-Modells? Durch das Angebot der "Alt-Wohnungen" entsteht ja kein neuer Wohnraum für den zu fördernden Personenkreis. Neue Flächen entstehen nur im Luxus-Segment. Die Altwohnungen könnten sich die München-Modell-Berechtigten auch so kaufen! Zur Zeit werden für diese Wohnungen Preise verlangt, die in der Regel nur ca. 100 EUR je qm über den für das München-Modell geltenden Obergrenzen liegen!

    Weshalb soll also die Stadt hier eine Genehmigung erteilen, wenn kein zusätzlicher Wohnraum für das München-Modell geschaffen wird, sondern lediglich Wohnungen aus dem Altbestand für einen nur minimal günstigeren Preis angeboten werden?

    Das Fazit ist also:

    Den Ertrag aus einer Baugenehmigung im Rahmen des München-Modells für diese Luxusbebauung hat nur der Bauherr Patrizia. Der Stadt erwächst kein zusätzlicher Wohnraum für das München-Modell. Eine Genehmigung dieser Aufstockung wäre also lediglich Futter für die Heuschrecke!

  5. Autor Reinhold Dicke
    am 08. März 2012
    5.

    Die geplante Aufstockung nimmt keine Rücksicht auf das Erscheinungsbild der Wohnanlage. Obwohl die vorhandene Infrastruktur eine Erweiterung um 27 Wohnungen nicht verträgt (Heizung, Versorgungsleitungen, großer Verschiebebahnhof in der Tiefgarage), wird weitergeplant, da das große Geld mit Luxuswohnungen winkt. Die sicheren Spätschäden und die Beeinträchtung des bisherigen Wohnbestands interessieren dabei nicht.
    Die Umwandlung von Alt-Wohnungen zum Münchener Modell ist Augenwischerei und dient nur dem Zweck, der Schaffung von Luxuswohnungen ein soziales Mäntelchen umzuhängen.
    Wohnungen schaffen ist eine gute Idee, aber nicht um jeden Preis!

  6. Autor Rainer Müller
    am 13. März 2012
    6.

    Allen Punkten der Vor-Kommentatoren kann ich nur zustimmen - insbesondere der unsoziale Nutzungsversuch des Münchener Modells - zeigt sehr deutlich, woher der Wind kommen soll.
    Hier wird "Tarnen + Täuschen" zum Geschäftsmodell, wie man an der Bebauungs-Dokumentation zur Nachbarschaftsbefragung sehen kann: In vierwöchigen Abstand wurden Baupläne versandt, aus denen selbst ausgebildete Architekten nicht konkret lesen konnten, wann, wo und wie hoch ausgebaut werden soll und warum es 2 verschiedene Bauplanvarianten gibt.

  7. Autor Jean Gerasimos Vassiliadis
    am 14. März 2012
    7.

    Dem Kommentar von Frau Dr. Schwarz vom 27.2.2012 möchte ich mich als Architekt und Stadtplaner, sowie als Eigentümer einer Wohneinheit in der selben Anlage wie Frau Dr. Schwarz gern anschließen.
    Es wäre eine sehr bedauerliche Tatsache, wenn die Stadt es zuließe, bzw. den Weg ebnete, daß Unternehmen, wie die Patrizia Immobilien AG unter dem Alibi "Beschaffung von Wohnungsraum" des Typs "Münchner Modell", bestehende Gebäude für Geldgier, Spekulation und Profitmaximierung opfern würden.
    Durch die Aufstockungsvisionen der Patrizia, bzw. durch den zusätzlichen Aufbau von Wohnungen auf niedrigere Blockeinheiten, wäre die optische Wahrnehmung und die von den Architekten realisierte sensible Höhengliederung der Baumasse endgültig irreparabel zerstört.
    Dazu kommt die Tatsache, daß durch den früheren Ausbau der Ubahn Trasse U6 erhebliche horizontale und diagonale Rißausbildungen, sowie Setzungen heute die Substanz der Gebäude im Inneren und Äußeren belasten.
    Eine Aufstockung, wie die Patrizia sie wünscht, würde die bereits vorhandenen Bauschäden verstärken und somit unweigerlich zum Zerfall der Bausubstanz führen!
    Durch die von der Patrizia geplanten Aufstockungsmaßnahmen, würde die vorhandene Grünanlage ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Die Patrizia hat bereits illegal Bäume gefällt. Die Residuen der Baumstämme stehen heute noch in der Anlage und widerspiegeln das Motto der Patrizia "Werte erhalten"!!!
    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, als Architekt appeliere ich hiermit an Sie, diese sinnlose Hauruck - Aktion der Patrizia Immobilien AG zu stoppen! Diese Aktion der Patrizia hat in meinen Augen kein anderes Ziel, als den eigenen lukrativen Interessen nachzugehen. Dem Wohl des städtischen Erscheinungsbildes, sowie der im Moment vorhandenen Harmonie der Anlage dient sie jedenfalls in keiner Weise!!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Jean Gerasimos Vassiliadis
    Dipl. Ing. Architekt
    M. Urb.

  8. Autor Ilse Brenner
    am 19. März 2012
    8.

    Die verantwortliche Behörde sollte bei ihren Überlegungen folgende wichtige Punkte beachten:

    1. Die Antragstellerin (Patrizia) ist NICHT die alleinige Eigentümerin der Wohnanlage. Von etwa 190 Wohnungen gehören ihr nur ca. ein Viertel!

    2. Die überwiegende Mehrzahl der Eigentümer ist GEGEN die Aufstockung. Sie wird aber nicht gefragt und erhält auch keinerlei Informationen darüber. Auch die Baubehörde hält sich da bedeckt.

    3. Bei Bau der Anlage hat Ende der 70er Jahre die Münchener Rück die im Bebauungsplan vorgegebenen Maximalflächen (GFZ) voll ausgenutzt. Es besteht also kein weiteres Baurecht mehr.

    4. Eine Baugenehmigung wird offenbar trotzdem dann erteilt, wenn ein Anteil der neuen Wohnungen nach dem "München-Modell" zu niedrigeren Preisen einem bestimmten Personenkreis angeboten wird (der Autor Landmann ist bereits darauf eingegangen).

    5. Wenn dann aber statt der Neubauwohnungen die schon lange leerstehenden Altwohnungen (was sagt übrigens das Wohnungsamt dazu?) dem München-Modell gegeben werden, dann ist dies eine Verhöhnung des sozialen Engagements der Stadt München! Denn diese Altwohnungen könnten sich die für das München-Modell infrage Kommenden auch so kaufen.

    Eine Baugenehmigung für diese Aufstockung würde zeigen, daß die Verantwortlichen der Stadtverwaltung sich für die Belange der Bewohner - Eigentümer und Mieter - nicht interessieren, sondern daß sie Investoreninteressen über soziale Verpflichtungen stellen.

    Im vergangenen Jahr hat es sicherlich viele unberechtigte Angriffe gegen OB und Verwaltung hinsichtlichder Förderung von "Luxusbauten" gegeben, denn dort, wo Baurecht besteht, hat die Stadt sehr geringe Eingriffsmöglichkeiten. Umso mehr sollte sie dort, wo sie, wie hier, wirklich Entscheidungsfreiheit hat, diese zugunsten der Bewohner ausüben!

    Ilse Brenner

  9. Autor Bernd Auermann
    am 24. März 2012
    9.

    Das Problem lässt sich einfach beschreiben:

    Ein Investor möchte dort, wo kein weiteres Baurecht mehr besteht, zusätzliche teure Penthousewohnungen zu Lasten der anderen Bewohner und Eigentümer errichten. Das zusätzliche Baurecht möchte er sich dadurch "erkaufen", daß er andere leerstehende Altbestandswohnungen für das München-Modell anbietet!

    Lässt die Stadt das mit sich machen? Das würde ja bedeuten, daß jeder Investor irgendwelche schlecht verkäuflichen Leerstände erwerben und sich mit diesen dann ein wesentlich höherwertigeres Baurecht an ganz anderer Stelle zuweisen lassen kann. Das kann es doch wohl nicht sein!

    Das "München-Modell" ist doch eigentlich dafür geschaffen worden, um neuen Wohnraum für finanziell schwächer gestellte Familien zu schaffen. Wenn das München-Modell aber so wie oben beschrieben umgesetzt werden kann, dann dient es, statt neuen erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, dem Bau von Luxus-Wohnungen.

  10. Autor Rita Fuchs
    am 25. März 2012
    10.

    Wir, als alte Haderner, schließen uns den Ausführungen der vorigen Autoren absolut an.
    Wir haben hier eine architektonisch und gestalterisch schöne Wohnanlage in München-Großhadern. Patrizia hat diese Wohnanlage als "Gartenpark Guardini" beworben. Wenn nun wegen der Aufstockung fast 40 Bäume gefällt werden, frage ich mich, welche Berechtigung diese Bezeichnung hat. Unsere zur Zeit der Münchner Rück gepflegte Grünanlage sollte endlich wieder in einen guten Zustand gebracht werden.
    Die Patrizia mißbraucht das "München-Modell" um noch mehr Profit herauszuholen, das darf doch so nicht passieren!!!
    Wer garantiert ausserdem für Spät-Folgeschäden dieser baulichen Maßnahme? (diese müssen ja dann die Eigentümer tragen, oder ???)
    denn... "A gflickte Hos'n is koa Neue"

    Lieber Herr Oberbürgermeister Christian Ude, bitte setzen Sie sich für die Erhaltung unserer außergewöhnlich schönen Wohnanlage ein!

    Rita Fuchs und Ferdinand Pöll mit Kater Balu

  11. Autor Isabell Raudies
    am 25. März 2012
    11.

    Dem Anliegen von Frau Dr. Schwarz kann ich nur in vollem Umfang unterstützen! Als Restauratorin und Denkmalpflegerin bin ich wieder einmal erstaunt, dass in München der Schutz von Gebäudeensembles wohl nicht mehr im Interesse der Stadtverwaltung liegt. Und der Schutz von Eigentum, von Mehrheiten der Mieter und Wohnungsbesitzer der betreffenden Anlage scheint auch aus dem Blickpunkt der Politik gerückt zu sein. Nicht zu reden vom hochgepriesenen Baumschutz, der wieder einmal keine Rolle spielen soll bei der geplanten Aufstockung der Wohnanlage......
    Ich bin bereits Geschädigte in einem anderen Stadtteil von München, wo weder der Bezirksausschuss, noch die Mieter und Hausbesitzer eines Wohnareals verhindern konnten, dass ein Bauherr alleine einen Park mit geschützten Baumarten entfernen ließ, an vier Seiten die Bebauungslinie überschreiten und zugleich an eine Brandwand und inmitten eines Denkmal-geschützen Gebäude-Karrees einen Stahl-Glas-Klotz bauen lassen darf....
    Es ist nur inständig zu hoffen, dass in diesem Fall DIE MEHRHEITEN VON KLEINSTIMMOBILIENBESITZERN UND MIETERN ein Gehör finden werden! Das sollte eigentlich in einer Demokratie selbstverständlich sein! Als unserer OB wäre es schön, wenn sich Herr Ude dafür einsetzen und sich für die Belange dieser Bürger stark machen würde. In diesem Sinne hoffe ich auf eine positive Resonanz!

    Mit freundlichen Grüßen
    I. Raudies

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