Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Sven Piatkowski am 17. März 2010
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Bildung und Kultur

Aufstockung der Schulhortplätze

Sehr geehrter Herr Ude,

unsere Tochter soll im Sommer im Stadtteil Trudering / Turnerstr. eingeschult werden.

Wie wir heute mit Erschrecken erfahren mussten, haben wir eine Ablehnung auf einen Hortplatz erhalten, obwohl wir zum höchsten Härtegrad zählen.

Wir sind beide vollzeit berufstätig und haben keine weiteren Familienangehörigen in der Stadt oder in der näheren Umgebung, die für die Betreuung zur Verfügung stehen könnten.

Warum müssen Familien in dieser Stadt um alles Kämpfen? Warum steckt Deutschland, warum die Weltstadt München hier in den Kinderschuhen.

Warum lehnen wir uns nicht an skandinavische oder französische Systeme an, die in diesem Bereich schon lange Erfahrung gesammelt haben und hier eigentlich zum Benchmark für ganz Europa geworden sind.

Warum muss man jedes Jahr auf's neue die Stadt darauf ansprechen, wie die Situation wegen den Hortplätzen bestellt ist? (http://direktzu.muenchen.de/ude/messages/20320)

Wenn Sie im Jahr 2009 erwähnen, das es ein Gesetz gibt, dass die Nutzung der Schulräume für Horteinrichtungen verbietet, warum gibt es innerhalb eines Jahres dann keine Aufbrechung des Gesetzes oder andere Alternativen. Ihre Zahlen sind schön und gut, leider schlägt die Wirkung bis heute nicht für alle durch und die Masse merkt nach wie vor nichts davon.

Und verweisen Sie jetzt bitte nicht auf den Freistaat oder sonst wen, Sie sind für diese Stadt als Oberbürgermeister gewählt worden und auch dafür verantwortlich, dass eine Vereinbarung von Beruf und Familie ermöglicht werden kann,
denn auch München als attraktiver Industriestandort profitiert davon.

Seien Sie der Vorreiter.
Deswegen bitten wir Sie, Ihren Machthebel entsprechend für Familien, Ausbildungs- und Betreuungssituation in dieser Stadt einzusetzen.

Mit freundlichen Grüssen
Familie Piatkowski

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Antwort
von Christian Ude am 27. Mai 2010
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Piatkowski,

Ihre Ungeduld und Ihren Unmut kann ich sehr gut verstehen. Mir ist bewusst, dass es Eltern, die noch keinen Hortplatz für ihr Kind haben, kaum tröstet, wenn ich ihnen versichere, dass wir als kinderfreundliche Stadt alles in unserer Macht Stehende tun, um kurzfristig möglichst viele Betreuungsplätze bereitzustellen.

Die Nachfrage nach Hortplätzen ist in den letzten Jahren entgegen den Prognosen überproportional angestiegen. Dennoch stehen in München mittlerweile insgesamt 14.436 Betreuungsplätze für Grundschulkinder in Horten und Tagesheimen zur Verfügung. Über 80% dieser Plätze - nämlich 12.089 – befinden sich in städtischer Trägerschaft.

Für den laufenden Betrieb dieser Betreuungsplätze in städtischer Hand wendet die Landeshauptstadt jährlich rund 74 Millionen Euro auf. Seit 1990 wurden rund 6.330 neue Hort- und Tagesheimplätze geschaffen. Bis zum Jahr 2013 sind 3.400 weitere Plätze in Horten und Tagesheimen geplant.

Die Bereitstellung von Betreuungsplätzen ist jedoch nicht allein Aufgabe der Kommune. Offen gesagt wundert es mich schon ein wenig, dass Sie den Freistaat vollkommen aus der Verantwortung entlassen wollen – obwohl er allein nach der bayerischen Verfassung für das Schulwesen zuständig ist und – wie alle anderen Bundesländer auch – endlich mehr Ganztagsklassen einrichten muss. Die Stadt stellt hierfür an staatlichen Grund-, Haupt- und Förderschulen 20.000 Euro pro Klasse zur Verfügung. An den 130 staatlichen Münchner Grundschulen werden derzeit nur neun Ganztagszüge angeboten.

Neben den langfristigen Planungen bemüht sich die Stadt aber auch um kurzfristige Lösungen. Vor einigen Jahren hat das Schul- und Kultusreferat das Sonderprogramm Hortversorgung initiiert. Dabei wird insbesondere für Horte, deren Vormerkzahlen den Bedarf für mindestens eine neue Gruppe ergeben würden, versucht, kurzfristige Lösungen zu finden. Leider ist die Schaffung zusätzlicher Hortplätze nicht immer sofort durchführbar. Denn wir brauchen vor allem Platz, um Horträume in der Nähe einer Schule einrichten zu können – und dieser Platz ist oft nicht vorhanden. Auch ein Umbauen von Klassenräumen ist aufgrund der gesetzlichen Anforderungen nur dort möglich, wo der Hortbereich von der übrigen Schule getrennt werden kann. Neubauten in sogenannter Systembauweise verkürzen zwar mittlerweile die Planungs- und Bauzeiten erheblich, jedoch zeigt die Erfahrung, dass Hortstandorte, die etwas weiter von der Schule entfernt liegen, nicht angenommen werden. Ein geeigneter Platz auf oder in der Nähe des Schulgeländes ist aufgrund gesetzlich vorgeschriebener Bauanforderungen jedoch häufig nicht zu finden. Es ist uns als Stadt auch nicht möglich, die entsprechenden Bauvorschriften (z.B. Bundes- oder Landesrecht) zu ändern.

An der Turnerstraße wurde im September 2008 ein neuer Hort mit 3 Gruppen eröffnet. Im Folgejahr wurde auch die 4. Gruppe eröffnet, so dass dort derzeit 100 Hortplätze angeboten werden können. Da bei der Eröffnung in erster Linie Kinder der 1. Klasse aufgenommen wurden, sind die meisten Plätze derzeit noch von diesen Kindern belegt. Das ist der Grund, weshalb in diesem Jahr nur 10 freie Plätze angeboten werden können. Für die Schuljahre 2011/12 und 2012/13 sind jedoch wesentlich mehr freie Plätze zu erwarten. Erfahrungs-gemäß dauert es bei neuen Einrichtungen einige Jahre, bis sich eine dauerhafte Altersmischung ergibt. Um zusätzliche Plätze bereit zu stellen, werden die beiden bereits bestehenden Hortgruppen an der Waldschulstraße 20 entgegen der ursprünglichen Planung nicht in den Neubau an der Turnerstr. 48 überführt, sondern bis auf weiteres beibehalten.

Zudem werden 110 Schülerinnen und Schüler in sieben Gruppen im Rahmen einer Mittagsbetreuung versorgt. Dabei handelt es sich um ein Angebot an der Schule, welches in der Regel von privaten Elterninitiativen organisiert wird. Die Stadt unterstützt dieses Angebot mit jährlich rd. 2,4 Millionen Euro und stellt die notwendigen Räume zur Verfügung. Die Betreuungszeiten sind zwar kürzer als in Horten oder Tagesheimen, jedoch ist die Mittagsbetreuung für viele Eltern eine durchaus akzeptable Lösung.

Im übrigen möchte ich Sie bitten, bezüglich des gewünschten Hortplatzes weiterhin am Ball zu bleiben, denn die Erfahrung zeigt, dass Eltern ihre Kinder oftmals für mehrere Ganztags-Angebote (Hort, Tagesheim, Mittagsbetreuung, Ganztagszug an der Schule) anmelden. Somit ist zu erwarten, dass sich die Zahl der Vormerkungen noch reduziert und für viele Eltern die Chance besteht, im Nachrückverfahren einen Platz zu bekommen.

Mit freundlichen Grüßen