Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Sonja Gebhardt am 29. März 2012
9699 Leser · 189 Stimmen (-12 / +177) · 4 Kommentare

Gesellschaft und Soziales

Am Rande der Verzweiflung wegen der Krippensituation

Wird sich die Krippensituation in München jemals ändern?

Der fehlende Bedarf an Krippenplätzen und die unglaublich teuren Ausweichmöglichkeiten haben sich in den letzten zwanzig Jahren kaum geändert. Über den gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz wird in unserem Umfeld nur gelacht. Leider finden wir das gar nicht lustig, uns ist eher zum Heulen zumute und wir stehen kurz davor München den Rücken zu kehren.

Ein zweites Kind können wir uns unter diesen Bedingungen gar nicht leisten. Wir sind seit anderthalb Jahren bei 40 Krippen vorgemerkt!!! Für September 2012 haben wir nur absagen bekommen und im September 2013 ist unsere Kleine schon 3 Jahre alt!!! Von einem Gehalt können wir bei den Münchener Mietpreisen nicht leben.

Zu Hause beim Kind bleiben zu können ist schon längst auch eine Frage des Geldbeutels. Ohne einen Krippenplatz finde ich aber keinen Job. Wir haben momentan weniger zum Leben übrig als eine Familie, die in kompletter Arbeitslosigkeit lebt. Wir könnten eine Tagesmutter für 700 EUR in Anspruch nehmen. Dann wären wir zusammen mit der Miete schon bei Fixkosten von 1600 EUR. Mein Mann bekommt um die 2200 EUR raus. Was da zu dritt übrig bleibt können Sie sich denken.

Wir sind beileibe kein Einzelfall. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis einige die sich dadurch Ihre Zukunft und die Zukunft Ihrer Kinder nicht in München vorstellen können.

Wie kommt es, das ein Student der sich freiwillig für seine Bildung entscheidet, 500 EUR im Semester bezahlt, aber ein Kleinkind das auf Betreuung angewiesen ist, dafür 400-800 EUR im Monat bezahlen muss? Sollte die Förderung von Kindern zwischen 0-3 Jahren in unserem Land nicht genau so gewährleistet sein wie die Förderung junger Erwachsener?

Diese Situation in der sich Familien in dieser Stadt befinden ist teilweise eine unglaubliche Zumutung und macht München für uns nicht sehr lebenswert. Denn leider hört der Affentanz mit Kindergarten- und Hortplätzen ja nicht auf. Wir sagen mit schwerem Herzen Adieu!

Nur das Beste für diese Stadt, Sonja.

+165

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Antwort
von Christian Ude am 26. September 2012
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Gebhardt,

ich kann Ihre Situation gut verstehen. Die Nachfrage nach Krippenplätzen ist in den letzten Jahren überproportional angestiegen, was vor allem auf die Geburtenrekorde zurückzuführen ist, die wir erfreulicherweise seit Jahren in unserer Stadt verzeichnen können. Die Stadt hat darauf reagiert und verstärkt in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert. Seit dem Jahr 2000 sind 10.000 neue Plätze für Kinder unter 3 Jahren entstanden. Dennoch finden nicht alle Münchner Kleinkinder einen Platz in einer Kinderkrippe. Deshalb wird der bedarfsgerechte Ausbau der Kinderbetreuung auch in Zukunft ein Schwerpunkt im städtischen Investitionsprogramm sein. Für die Jahre 2011-2015 sind dafür 304 Millionen Euro vorgesehen. Dadurch entstehen allein in den nächsten drei Jahren weitere 3.516 Krippenplätze, 4.475 Kindergartenplätze und 3.250 Plätze in Horten und Tagesheimen.

Die Höhe der Gebühren in den städtischen Einrichtungen richtet sich nach dem Einkommen der Eltern. Viele Familien zahlen aufgrund ihres niedrigen Einkommens gar keine Gebühren. Auch durch Geschwisterermäßigungen werden Münchner Familien entlastet. Außerdem besteht für Eltern grundsätzlich immer die Möglichkeit, im Stadtjugendamt des Sozialreferats eine finanzielle Unterstützung für die zu leistenden Kinderbetreuungsgebühren zu beantragen.

Erfahrungsgemäß werden durch Umzüge und sonstige Veränderungen immer wieder Plätze frei. Ich empfehle Ihnen deshalb, auf jeden Fall mit den von Ihnen ausgewählten Kindertageseinrichtungen in Kontakt zu bleiben. Ich wünschen Ihnen und Ihrer Familie alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen


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  1. Autor Juliane Gambke
    am 03. April 2012
    1.

    Hallo Sonja!

    Ihre Verzweiflung können wir gut nachvollziehen. Wir befinden uns auch seit 3 Jahren in der Dauerschleife aus Kampf um Betreuungsplatz, Sorge um die wirtschaftliche Existenz und dem "Nichtwissen, wie es weitergehen soll". Aus diesem Grund trauen wir uns nicht, aus unserer viel zu engen Wohnung auszuziehen - wir wissen nicht, ob wir uns in Zukunft die Miete für eine angemessene Wohnung leisten können, wenn aufgrund eines fehlenden Betreuungsplatzes einer von uns seine Arbeit aufgeben muss.

    Ich komme aus einem Land, in dem die Kinderbetreuung überhaupt kein Problem und die Losung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie mehr als nur leere Phrasendrescherei war. Nie hätten wir uns vorstellen können, wie katastrophal die Situation in München ist. Hätten wir das gewußt, wären wir nie hierher gezogen. Damals haben wir leider noch nicht an diese Dinge gedacht bzw. konnten uns gar nicht vorstellen, dass München oder irgendeine Stadt in Sachen Kinderbetreuung derart miserabel aufgestellt ist. Auch wir denken mittlerweile intensiv darüber nach, diese Stadt zu verlassen.

    Leider werden Sie in diesem Forum keine konstruktive Antwort erhalten. Es wird mit immer denselben nichtssagenden Textbausteinen auf die vielen verzweifelten Fragen zum Thema Kinderbetreuung geantwortet; Empathie oder gar hilfreiche Antworten? Fehlanzeige!

    Wir wünschen Ihnen, dass Sie gute Nerven behalten und sich hoffentlich noch alles irgendwie zum Guten für Sie wendet!

  2. Autor Branka Gavran
    am 04. April 2012
    2.

    Mir geht es genauso. Da freut man sich auf das erste Kind und geht noch schwanger um sich für einen Krippenplatz anzumelden, aber auch das reicht nicht!!! Nicht schwanger kann man das natürlich nicht - aber was bringts!!!! Mehr als das kann man nicht tun. Ich muss auch finanziell bedingt nach 1 Jahr wieder arbeiten gehen, weiss aber nicht wie ich das anstellen soll, wenn ich keinen Krippenplatz bekomme. Im allerschlimmsten Fall muss ich mich nach 13 Jahren von meinem AG trennen in der Hoffnung, eine Abfindung zu bekommen, was ich aber ÜBERHAUPT nicht möchte!!! Ich möchte arbeiten, auch nur in Teilzeit, aber ich weiss nicht wohin mit unserer Tochter. Das Gehalt meines Mannes ist sehr gering, ich war immer Hauptverdiener, aber jetzt wissen wir echt nicht weiter! "Die Stadt mit Herz" passt da nicht so ganz!!! Ich bin Münchnerin und möchte auch hier bleiben, und zwar ohne Arbeitslosenstatus, aber wenn sie in dieser Hinsicht nichts ändert.... keine Ahnung. Wo liegt das Problem, noch mehr städtische Kinderkrippen zu eröffnen?? Private kann man sich ja nicht leisten, bei ca. 800,- € im Monat für einen Vollzeitstelle. Etwas mehr ist eins unserer Gehälter! UNGLAUBLICH. Hr. Ude, wie sehen Sie das? Freundliche Grüße von einer immer mehr verzweifelnden Münchnerin + Ehemann + Tochter!

  3. Autor Sonja Gebhardt
    am 04. April 2012
    3.

    Liebe Branka, liebe Juliane

    Gemessen an der Situation Anderer, wundere ich mich oft wie es wohl erst die Alleinerziehenden, Geringverdienenden, Zugezogenen, Erkrankten, Sozialhilfeempfänger etc. mit dieser Stadt aufnehmen? Wir straucheln schon mit einem Durchschnittseinkommen. Ich habe große Hochachtung davor wie Familien mit noch weniger Einkommen diese Situation durchstehen. Hoffe es wendet Sich bei Euch noch das Blatt zum Besseren.

    Wie kann es sein dass ein so maroder Staat wie die DDR es war, eine flächendeckende, kostenlose Kinderbetreuung für Jedermann anbieten konnte aber eine vermeintlich wohlhabende Stadt wie München, in dieser Frage auf ganzer Linie versagt? Es wird sich in dieser Stadt viel mehr Gedanken darüber gemacht, ob die Krippenerziehung dem Kind schadet als darüber, dass Frauen von vornherein gar nicht die Freiheit bekommen über die Kind-Karrierefrage selbst zu entscheiden.

    Solange es Mütter gibt die aus finanzieller Not heraus nicht zu Hause bleiben können oder nicht in den Beruf zurück finden weil es keine Krippenplätze gibt. Solange habe ich vorerst keine Geduld mir anzuhören, inwiefern frühkindliche Fremdbetreuung problematisch sein kann. Kindersegen sollte sich nicht wie eine Last anfühlen.

    Herr Ude, bitte nehmen Sie endlich Anteil!!!
    Beste Grüße, Sonja.

  4. Autor Stefan W.
    am 15. Mai 2012
    4.

    Glaubt denn echt jemand hier eine Lösung bewirken zu können? In diesem Land regiert schon lange nicht mehr die Politik sondern das Kapital und da werden natürlich lieber Luxuswohnungen gebaut. Dann gibt es noch die alteingesessenen Nachbarn die gegen Krippenneubaupläne klagen, gibt es in München einige Beispiele für, und andere Hürden.

    Herrn Ude glaube ich sofort das er gerne eine Änderung bewirken würde, allein für 2011 könnte ich in München 10 Krippenneubaupläne benennen, allerdings steckt auch er in den Zwängen die dieses System ihm vorgibt.

    Mit dem Krippenplatz für unseren Kleinen hatten wir zum Glück kein Problem, dass lief alles ganz unkompliziert und schnell über meinen Arbeitgeber und nach 3 Monaten hatten wir die Zusage für einen Platz.
    Trotzdem haben wir uns als zwei Normalverdiener dafür entschieden München so schnell wie möglich zu verlassen sobald ich eine Stelle in Hamburg, Brandenburg oder Berlin habe.

    Hier zahlen wir momentan schon 850€ Miete für unsere 3 Zimmer Wohnung und eine Eigentumswohnung mit ca. 100qm kostet mindestens 300.000€. Für 250.000€ bekomme ich woanders schon ein freihstehendes Eigenheim in dem dann auch genug Platz für das gewünschte zweite Kind ist. Wir wollen als Mittelschicht von unserem Einkommen schließlich nicht fast nur für Miete und Betreuung arbeiten gehen, sondern die Masse des Einkommens für uns zur Verfügung haben.

    Die Entscheidung war für uns daher recht schnell und leicht. Nichts wie weg aus München, der Stadt mit Herz für Spitzenverdiener und Millionäre.

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