Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Alica Voß am 16. April 2012
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Gesellschaft und Soziales

Alleinerziehende Studentin und kein Hortplatz

Sehr geehrter Herr Ude,

ich wende mich in meiner größten Verzweiflung nun an Sie.
Ich bin Studentin im 5. Semester, könnte also mein Studium in 2 Semestern abschließen, und bin alleinerziehende Mama einer 5-jährigen Tochter. Alleinerziehenden Studenten wird es in Deutschland (oder nur in Bayern?) wirklich schwer gemacht. Wir fallen durch sämtliche Raster der sozialen Versorgung. Wohngeld, ALG2 oder das Bildungspaket für meine Tochter wurden abgelehnt, mit der Begründung, dass diese Leistungen Studenten nicht zustünden, da diese ja nicht arbeitslos seien. Ja mir hat sogar eine Mitarbeiterin des Sozialbürgerhauses Ramersdorf-Perlach im Juli 2011 bezüglich des Bildungspaketes geraten, mich zu exmatrikulieren, damit ich eine Bewilligung bekomme. Das kam und kommt für mich nach wie vor nicht in Frage.
Ich arbeite also zusätzlich zu meinem Studium noch als Werkstudentin mit 20 Stunden pro Woche, um meine Tochter und mich zu versorgen; mein Studium nimmt mindestens 30 Wochenstunden ein – damit komme ich auf eine Arbeitszeit von ca. 50 Stunden in der Woche.
Meine Tochter kommt nun im September in die Schule. Ich bin also auf eine Nachmittagsbetreuung für sie angewiesen, um mein Studium beenden und weiterhin unseren Lebensunterhalt verdienen zu können. Ich habe meine Tochter Marie in den beiden Horten, die es in hier Feldmoching gibt, angemeldet und sie wurde in die Kategorie 1b der Platzvergabeordnung eingruppiert. Innerhalb dieser Gruppe wird allerdings Kindern mit Geschwistern in der entsprechenden Einrichtung der Vortritt gewährt, weshalb ich für beide Einrichtungen eine Absage bekommen habe .Natürlich habe ich sie fristgerecht auf die Wartelisten gesetzt und den Hortleitungen meine Situation als alleinerziehende Studentin erörtert.
Meine Chancen auf einen Nachrückplatz stehen gleich Null, Herr Ude. In der Kooperationseinrichtung Haus für Kinder in der Josef-Frankl-Str. 17b, in der Marie bereits den Kindergarten besucht, sind alle Plätze vergeben, Marie steht lediglich auf Platz 4 der Warteliste und die Leiterin sagte mir, dass die Plätze so rar seien und erfahrungsgemäß unser Platz auf der Warteliste nicht mehr erfolgreich sei.
Die Leitung des anderen Hortes, des Hortes an der Grundschule Lerchenauer Str. 322, der Sprengelschule von Marie, bei der ich auch nochmal schriftlich nachgefragt habe, schrieb mir in einer Email:
„[...]da wir heuer über 40 Voranmeldungen hatten und darunter viele Geschwisterkinder. Bis jetzt konnte ich 10 Plätze vergeben.“
Letzte Woche wollte ich dort noch einmal telefonisch nachfragen, ob sich eventuell was ergeben hat, wurde aber am Telefon von der Hortleitung mit den Worten; „ Rufen Sie nicht noch einmal an, ich melde mich, wenn Sie einen Platz haben“ abgeschmettert.
In unserem Stadtteil gibt es leider auch keine weitere Einrichtungen für Schulkinder.

Ich sehe ohne einen Platz in einer geeigneten Nachmittagsbetreuung keine Möglichkeit, mein Studium abschließen zu können. Doch was ist die Alternative? Ich exmatrikuliere mich tatsächliche, lebe von Hartz 4, kann dann aber immerhin meine Tochter nach Ende des Unterrichtes ab ca., 11.30 Uhr selber betreuen. Für mich ist das keine Alternative, Herr Ude. Ich möchte mein Studium abschließen, endlich arbeiten und meiner Tochter eine Zukunft ermöglichen, weit weg vom Rande des Existenzminimums, an dem wir momentan leben. Ich möchte Vorbild sein für meine Tochter und niemand, der sich vom Staat finanzieren lässt.
Darum frage ich Sie, Herr Ude, können Sie mir helfen? Welche Möglichkeiten habe ich, doch noch einen Hortplatz für meine Tochter Marie zu bekommen, um mein Studium fortsetzen zu können? Wieso werden Kinder mit Geschwisterkindern bei der Platzvergabe bevorzugt, anstatt die individuelle Situation der Mütter/Eltern zu betrachten?
Ich bin mir sicher, dass Ihre Antwort auch für die vielen anderen Studenten mit Kind in München, hilfreich sein wird.

Vielen Dank im Voraus und mit den besten Grüßen,

Alica Voß

+176

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Antwort
von Christian Ude am 16. Januar 2013
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Voß, 



wie mir das zuständige Referat für Bildung und Sport mitgeteilt hat, hatten Sie sich nach der fristgerechten Anmeldung für einen Hortplatz in der städtischen Kindertagesstätte Lerchenauer Straße 322 zusätzlich im März 2012 um einen Hortplatz im Haus für Kinder in der Josef-Frankl-Straße 17b bemüht. Seitens dieser Einrichtung konnte Ihrer 5-jährigen Tochter zum 1. April 2012 ein Kindergartenplatz angeboten werden, da glücklicherweise ein Platz frei wurde. Da Ihre Tochter altersbedingt ein sogenanntes „Kann-Kind“ ist, also auch erst 2013 eingeschult werden kann, hat sie die Möglichkeit, dort bis zum Schul- beginn 2013 zu bleiben.



Die Anmeldung für Hortplätze im Schuljahr 2013/2014, wenn ihre Tochter Erstklässlerin sein wird, läuft bereits. Nähere Informationen hierzu können Sie dem Internetauftritt der Landeshauptstadt München unter www.muenchen.de/kita entnehmen.



Unter folgenden Telefonnummern erhalten Sie auf Wunsch gerne Auskunft über alternative Angebote wie Ganztag oder Mittagsbetreuung: 233 - 8 39 54 (Thema Ganztag, Herr Bauer) und 233 - 8 39 66 oder - 8 39 67 (Thema Mittagsbetreuung, Frau Plessow, Herr Sonner).

Obwohl die Stadt sehr viel Geld in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert, finden nicht alle Münchner Grundschulkinder einen Platz im gewünschten Betreuungsangebot. Die Nachfrage nach Ganztagsplätzen für Grundschul- kinder ist in den letzten Jahren überproportional angestiegen. Die Stadt hat darauf reagiert und das Platzangebot in Horten und Tagesheimen konti- nuierlich ausgebaut. Auch die Zahl der Staatlichen Grundschulen mit Ganz- tagsklassen hat sich erhöht und liegt aktuell bei 39 Schulen in München. 



Insgesamt sind im städtischen Mehrjahresinvestitionsprogramm 2011-2015 in der Investitionsliste 1 der gesicherten Bauvorhaben rund 304 Millionen Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen. Dadurch entstehen in den nächsten drei Jahren weitere Kinderkrippenplätze, Kindergartenplätze und 3.250 Plätze in Horten und Tagesheimen. 


Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (1)Schließen

  1. Autor Sonja Gebhardt
    am 12. Juni 2012
    1.

    Liebe Alica,

    Wenn man das liest, frage ich mich aus welchen Gründen manche Leute gegen diesen Beitrag abstimmen??? Außerdem glaubte ich dass Alleinerziehende vor den Geschwisterkindern eingestuft werden (sollten)???. In Ihrer Situation sehe ich leider nur zwei Möglichkeiten. Entweder ziehen sie aus dieser familienfeindlichen Stadt und studieren dort weiter, wo Kinderbetreuung etwas besser geregelt ist. (Was zugegeben keine Alternative ist, sollten Sie die Unterstützung Ihrer Familie hier haben), oder sie beißen in den sauren Apfel und nehmen einen privaten Studentenkredit auf sich. Es war auch bei mir die einzige Lösung mein Studium zu Ende zu bringen. Beides keine wirklich tollen Ratschläge. Aber ich habe auch sehr stark dass Gefühl dass man als Frau mit Kind und Arbeit im Jahre 2012 schlechter dran ist, als es noch unsere Mütter waren. Ich wünsche Dir viele starke Nerven und wehe du schmeißt dein Studium hin, bloß wegen dieser erbärmlichen Familien- und Frauenpolitik!

    Liebe Grüße, Sonja.

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