Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Renate Cullmann am 30. Juli 2012
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Planen und Bauen

Abriss der Heimag-Siedlung in Harlaching

Sehr geehrter Herr Ude,
ich bin Mieterin in der Heimag-Siedlung in Harlaching und muss nach meinem Urlaub mit Entsetzen in der SZ vom 25.7.12 lesen, dass unsere Wohnungen abgerissen werden sollen.
Das ist ein schwerer Schlag. Noch im März 2006 atmeten wir auf, nachdem die Gewofag zusammen mit der GWG Baden-Württemberg die Wohnungen erwarb, als sie zum Verkauf standen. Sie schrieben uns damals einen Brief, in dem Sie uns versicherten, "dass die Zukunft der Mieterinnen und Mieter damit gesichert ist". Nach nur 6 Jahren erfahren die Mieter nur zufällig, dass nun der Abriss und ein Neubau geplant ist. Was ist das für eine Informationspolitik?
Sie sind ja der Aufsichtsratsvorsitzende der Gewofag, und Stadträte von SPD, CSU und Grünen sind Mitglieder des Aufsichtsrates. Was soll die "Undercover"-Herangehenweise?
Von einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft erwarte ich was anderes. Heimag und Gewofag müssen betroffenen Mietern auf einer Informationsveranstaltung ihre Pläne vorstellen und sich deren Sorgen anhören.
Herr Oberbürgermeister, bitte nicht nur aktiv werden und der CSU zurecht ans Bein pinkeln, wenn die GWG-Wohnungen verkauft werden sollen. In Ihrem direkten Einflussbereich - der Gewofag - könnten Sie auf mehr Transparenz und Mieterbeteiligung drängen.
Über eine Antwort würde ich mich freuen,

mit freundlichen Grüßen
Renate Cullmann-Reder

+93

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Antwort
von Christian Ude am 13. September 2012
Christian Ude

Sehr geehrte Frau Cullmann-Reder,

Ihre grundsätzliche Haltung, dass Wohnraum gerade in städtischem Besitz so lange wie möglich erhalten werden sollte und dass eine behutsame Instandsetzung und Sanierung einem Abriss vorzuziehen sei, teile ich. Entsprechend ist die Politik der städtischen Wohnungsbaugesellschaften in den letzten beiden Jahrzehnten auch stets auf Bestandssicherung ausgerichtet gewesen. Allerdings gibt es unleugbar auch den Fall, dass veraltete Bausubstanz nicht mehr erhalten werden kann, jedenfalls nicht mit vertretbarem wirtschaftlichen Aufwand und nicht zur Zufriedenheit der Bewohner. Selbstverständlich muss in einem solchen Fall aber frühzeitig und glaubwürdig dargelegt werden,

• dass die Bausubstanz tatsächlich baufällig ist,
• dass der wirtschaftliche Aufwand unvertretbar wäre und
• dass attraktive Wohnverhältnisse im Bestand nicht realisiert werden können (z.B. wegen unzureichender Raumhöhe oder Raumgröße oder wegen fehlender Badezimmer etc.).

Im Falle Ihrer Siedlung sind solche Gesichtspunkte dem Aufsichtsrat noch nicht einmal vorgetragen, geschweige denn nachgewiesen worden. Es gibt deshalb auch kein aktuelles Projekt, sondern nur Vorüberlegungen der Geschäftsführung der Tochtergesellschaft HEIMAG. Ich finde es ebenso wie andere Mitglieder des GEWOFAG-Aufsichtsrats ausgesprochen ärgerlich, dass durch öffentliche Äußerungen zeitweise der Eindruck erweckt wurde, Abriss und Neubau seien bereits beschlossene Sache. In Wahrheit gab es hier nicht zu wenig Transparenz, sondern tatsächlich zu viel: Überlegungen, die noch nicht einmal spruchreif waren, gelangten in eine öffentliche Sitzung und damit auch in die Medien und mussten die Mieter als vermeintliche Mitteilung vollendeter Tatsachen verunsichern und verängstigen. Dafür kann ich mich als Aufsichtsratsvorsitzender der Muttergesellschaft GEWOFAG, der mit dem Projekt noch in keiner Weise befasst worden ist, nur entschuldigen.

Wie Sie mittlerweile weiteren Schreiben und Presseartikeln entnehmen konnten, hat die HEIMAG zwischenzeitlich erkannt, dass die Bauten aus dem Jahre 1955 in einem besseren Zustand sind als bisher angenommen und dass Abriss und Neubau zumindest gegenwärtig nicht notwendig sind. Eine grundlegende Untersuchung soll auf Vorschlag der GEWOFAG-Geschäftsführung nach 2015 durchgeführt werden. Gegen eine solche Untersuchung ist prinzipiell nichts einzuwenden, der Eigentümer einer Wohnungsanlage ist vielmehr verpflichtet, sich vom baulichen Zustand zu vergewissern. Der Aufsichtsrat der GEWOFAG wird dafür Sorge tragen, dass die Ergebnisse der Untersuchung der Mieterschaft und insbesondere der Mietergemeinschaft vorgelegt werden und dass auch alle weiteren Schritte im Dialog mit der Mieterschaft enthüllt und vorgenommen werden. Eine Bestandsgarantie „für alle Zeiten“ kann es aber selbstverständlich nicht geben. Diese Ehrlichkeit ist Ihnen sicher lieber als Beschwörungsformeln, die erkennbar keine tragfähige sachliche Grundlage haben.

Mit freundlichen Grüßen


Kommentare (3)Schließen

  1. Autor Erich Kirchmayer
    am 07. August 2012
    1.

    Es sind doch alle Politiker gleich, wenn es um Profit geht. Allerdings hätte man von Rot/Grün in München was Anderes erwartet.

    Aber "die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber" - anders lässt sich die rot/grün-Mehrheit in München schwer erklären.....

  2. Autor Rudolf Auer
    am 11. August 2012
    2.

    Sehr geehrter Herr Ude,
    die beabsichtigte Vertreibung der Mieter aus der gut erhaltenen Heimag-Siedlung betrifft überwiegend Rentner und Kleinverdiener, die sich eine andere Wohnung nicht leisten können. Viele der Betroffenen haben keinen Computer und können sich an dieser Stelle nicht äußern.
    Zum Bauzustand ist zu bemerken, dass kürzlich Bezirksausschussmitglieder verschiedenen Wohnungen besichtigt und sich sehr über deren guten Zustand gewundert haben. Nicht nur, dass sie kein Eindringen von Wasser und auch keine verschimmelten Wände vorfanden (Woher hatten sie diese Hinweise?), sie sahen auch, dass die Heimag in den letzten Jahren die Fassaden streichen lies, neue Balkone und Schallschutzfenster anbringen lies und viele Wohnungen mit neuen Etagenheizungen ausgestattet hat. Kürzlich soll eine "abbruchreife" Wohnung auch noch Eichenparkett erhalten haben.
    Bemerkenswert erscheint mir, dass die frühere Partei der kleinen Leute, die sog. sozialdemokratische, offenbar kein Interesse hat, sich für den Verbleib der Mieter einzusetzen, die zum Teil schon 50 und mehr Jahre hier wohnen und die keine Schuld trifft am Wohnungsmangel in München.
    Es würde mich freuen zu erfahren, ob Sie diesen Artikel gelesen haben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Rudolf Auer

  3. Autor Heinz Högner
    am 17. August 2012
    3.

    Herr Ude kann nur seinen Freunden 50% Gehaltserhöhung geben.
    Das deutsche Volk und die Mieter sind nur fürs Wählen gut.
    Er kann ja mit seinen Freunden eine Griechische-Insel teilen.
    Leider ist er ja schon Verheiratet.

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