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Beantwortet
Autor Britta Schlosser am 03. September 2010
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Planen und Bauen

Baugemeinschaften erhalten zu wenige Wohneinheiten

Sehr geehrter Herr Ude,

Vor wenigen Tagen haben wir von unserer Baugemeinschaft erfahren, dass deutlich weniger Wohneinheiten für Baugemeinschaften ausgeschrieben werden, als bisher erhofft.

Wir warten schon seit längerer Zeit auf die Ausschreibung der Grundstücke, welche sich leider immer wieder verschoben hat, und hoffen darauf, eine der begehrten Wohneinheiten mit unserer Baugemeinschaft zusammen zu bauen, denn es ist für uns die einzige Möglichkeit, eine ausreichende Wohnfläche zu erschwinglichen Preisen in der Stadt München zu erwerben. Wir erwarten unser 2. Kind und wünschen uns auch ein drittes und können zumindest langfristig nicht in unserer 60m² Wohnung wohnen bleiben. Andererseits identifizieren wir uns stark mit der Stadt München und möchten unbedingt im Stadtgebiet wohnen bleiben.

Wir wußten, dass es viele weitere Baugemeinschaften gibt, die sich bewerben, aber haben uns bisher zumindest eine reelle Chance ausgerechnet, auch tatsächlich am Ackermannbogen ein Grundstück für unsere Baugemeinschaft zu erhalten.

Es schien uns, dass die Stadt München sich einsetzt dafür, erschwinglichen Wohnraum zu schaffen für Familien durch die Unterstützung von Baugemeinschaften mit weiteren großen Vorteilen wie einer großen Vielfalt von Gebäuden, bei denen sich die Eigentümer durch die Einbringung eigener Ideen absolut mit dem Quartier identifizieren sowie der Möglichkeit einer sozialen Mischung.

Leider scheint es, dass auch diesmal wieder die Bauträger bevorzugt werden und damit vor allem wohlhabende Familien zum Zug kommen.

Wir bitten Sie ganz dringend, sich bei der nächsten Sitzung für die Baugemeinschaften einzusetzen und zu erreichen, dass mehr Grundstücke für Baugemeinschaften ausgeschrieben werden. Leider haben wir als Teilnehmer einer Baugemeinschaft keine eigene Lobby wie die Bauträger und hoffen daher dringend auf Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Britta und Rémy Schlosser

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Antwort
von Christian Ude am 12. Oktober 2010
Christian Ude

Sehr geehrte Familie Schlosser,

es ist richtig, dass die Stadt gerne Baugemeinschaften dabei unterstützt, erschwinglichen Wohnraum für Familien zu schaffen. Allerdings können wir das nur im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und unter Abwägung aller Interessen und Bedarfe. Da Sie sich mit Ihrem Anliegen auch direkt an das Planungsreferat gewandt hatten, darf ich zu den Einzelheiten auf das Antwortschreiben des Planungsreferats verweisen:

Im 4. Bauabschnitt am Ackermannbogen werden ca. 450 Wohneinheiten für die verschiedenen Wohnbauarten (freifinanzierter Wohnungsbau, München Modell, Eigenwohnraum, geförderter Mietwohnungsbau) entstehen.
Diese Aufteilung entspricht einerseits der Münchner Mischung, einem Mix aus unterschiedlichen Einkommensgruppen und Wohnbauarten, und ist andererseits der rechtlichen Situation geschuldet, denn beim Ackermannbogen handelt es sich um eine Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Sinne des Baugesetzbuches (BauGB). Gemäß § 169 Abs. 6 BauGB müssen die von der Bundesrepublik Deutschland erworbenen Grundstücke (ehemaliges Kasernengelände) unter Berücksichtigung weiter Kreise der Bevölkerung an Bauwillige veräußert werden. Daher werden die vorhandenen Grundstücksflächen entsprechend für Baugemeinschaften, Genossenschaften, Wohnungsbauträger für den Eigentumswohnungsbau und Wohnungsbaugesellschaften für den geförderten Mietwohnungsbau ausgeschrieben und vergeben.

Der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung beschloss in seiner Sitzung am 07.07.2010 neben der Vergabe der Bauquartiere WA 1 (östlicher Teil) und WA 2 an die städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG München und GEWOFAG ebenfalls, bei der Ausschreibung künftiger Wohnbauflächen in den großen Siedlungsgebieten einen Anteil von 20 % bis 40 % der Gesamtfläche für den Wohnungsbau durch Baugemeinschaften und Genossenschaften vorzusehen.

Das vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung erarbeitete Aufteilungskonzept, welches vom Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung in seiner Sitzung am 22.09.2010 beschlossen wurde, sieht für Baugemeinschaften derzeit einen Geschossflächenanteil von ca. 27,56 % der gesamten Wohnbauflächen des 4. Bauabschnitts vor. Dies entspricht rechnerisch ca. 129 Wohneinheiten. Der Anteil ist damit doppelt so groß wie der der Genossenschaften mit ca. 13,45 % (ca. 63 Wohneinheiten).

Dies zeigt, dass dem Wunsch Vieler, individuelles Bauen und Wohnen mit Hilfe einer Baugemeinschaft in München zu realisieren, städtischerseits große Bedeutung beigemessen und dieses Anliegen im Rahmen der Möglichkeiten unterstützt wird. Für die „normalen“ Bauträger ist lediglich ein Flächenanteil von ca. 20 % (rechnerisch ca. 95 Wohneinheiten) vorgesehen. Die Bauträger werden also gerade nicht bevorzugt.

Für den letzten Bauabschnitt am Ackermannbogen besteht allgemein eine so enorme Nachfrage aus allen Bereichen des Wohnungsbaus, dass die vorhandenen Grundstücks-flächen dieser zwangsläufig nicht gerecht werden können. Dies trifft trotz des o.g. erheblichen Geschossflächenanteils zwangsläufig auch für die Baugemeinschaften zu, da es aufgrund der zu erwartenden Vielzahl von Bewerbungen nicht möglich ist, alle Bewerberinnen und Bewerber dort mit Grundstücksflächen zu versorgen.
Wir bitten daher um Verständnis, dass die Stadt München mit ihren Grundstücken hier den rechtlichen Vorgaben sowie den vielfältigen Interessen und Bedarfen Rechnung tragen muss.

Neben den Ausschreibungen für den 4. Bauabschnitt am Ackermannbogen wird sich jedoch im kommenden Jahr im Münchner Norden auch auf den Flächen der ehemaligen Funkkaserne eine weitere Möglichkeit bieten, passende Grundstücke zu erwerben.

Mit freundlichen Grüßen