Die Amtszeit von Oberbürgermeister Christian Ude endete nach über 20 Jahren am 30. April 2014.

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Beantwortet
Autor Robert L. Baer am 21. Januar 2010
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Mobilität und Verkehr

2. S-Bahn-Tunnel

Überaus geschätzter Herr Oberbürgermeister Ude

Sicherlich bin ich nicht der einzige Münchner, der nicht verstehen kann, daß die Nutzung des vorhandenen Südrings keine Alternative zu einem zweiten S-Bahn-Tunnel sein soll, zumal sie kostengünstiger und mit ungleich weniger Beeinträchtigungen zu realisieren wäre. Ich habe mir in den letzten Tagen Gedanken gemacht und recherchiert, das Potential das langfristig in der Nutzung des Südrings stecken könnte, ist meines Erachtens schlichtweg gewaltig. Ich bin zwar weder Städteplaner, noch Experte für öffentlichen Nahverkehr, eher Stadtradler und habe auch beruflich mit Fahrrädern zu tun, dennoch glaube ich, daß einige der Ideen die bei meiner Beschäftigung mit dem Thema entstanden sind und von denen einige Teil dieses Beitrags sind, ein Anreiz für die zukünftige Entwicklung meiner Heimatstadt sein sollten.

Durch die Nutzung des Südrings verkürzen sich all jene Fahrten mit der S-Bahn die ihren Startpunkt westlich der Hackerbrücke, ihren Zielpunkt östlich des Rosenheimer Platzes haben, sowie solche die in entgegengesetzter Richtung verlaufen.

Zwei neue S-Bahnstationen in der südlichen Innenstadt, Kolumbusplatz und ehemaliger Südbahnhof, wären ein echter Gewinn. Insbesondere das Areal des ehemaliges Südbahnhof wäre, wenn es später ähnlich wie der Ostbahnhof ausgebaut würde, von unschätzbarem Wert. Passagiere von dort haltenden Zügen würden das Oktoberfest genausoschnell zufuß erreichen wie von der Hackerbrücke und hätten direkten U-Bahnanchluss zur Allianz-Arena, ebenso zum Klinikum Großhadern. Vom Kolumbusplatz besteht direkter U-Bahnanchluss zum Messegelände. Der richtige Ausbau des Südbahnhofs bietet aber noch weitere Vorteile.
Der Klimawandel gebietet uns, nicht nur den Pkw-Verkehr zu reduzieren, auch die Lkw-Nutzung wird sich wandeln. Der Bauch Münchens, die Großmarkthalle könnte wieder mit Güterzügen beliefert werden, ähnliches gilt für den Schlachthof.

Daß all dies nicht bis zu den olympischen Winterspielen 2018 realisiert werden kann, ist mir klar, aber darum geht es auch nicht. Die Nutzung des Südrings zur Entlastung der Stammstrecke jedoch, ist relativ schnell umsetzbar, wäre aber zugleich eine Weichenstellung in die, wie ich meine richtige Richtung.

Daß CSU Politiker wie Stadtrat Kronawitter und selbst Dr. Gauweiler so davon abraten, einen zweiten Stammstreckentunnel zu bauen, legt für mich nahe, daß nicht das Wohl der Menschen, sondern die erlebte Abfuhr beim Transrapid, der Grund für die bayerische Staatsregierung ist, ihre Planung auf Biegen und Brechen durchsetzen zu wollen. Ob und inwieweit die zugrunde liegenden Gutachten von dieser Haltung beeinflußt sind, kann ich nicht beurteilen, darüber zu mutmaßen ist nicht meine Art. Die Überschrift in Ihrer Kolummne "Hier schreibt der OB" vom 18.01.2010, "2. S-Bahn-Tunnel alternativlos" hätte ich jedoch so von Ihnen nicht erwartet. Es ist in meinen Augen fast so, als hätten Sie seinerzeit gesagt "Der Transrapid ist alternativlos". Ich hoffe dies sagen zu dürfen und bitte darum, es nicht falsch zu verstehen.

Wo habe ich bei meinen Gedankengängen, in erster Linie bei meiner Überzeugung, daß der Südring die weitaus bessere Alternative für eine unkomplizierte Lösung der anstehenden Probleme ist, einen Fehler begangen?

Da mich neben Ihrer Antwort, für die ich Ihnen im Voraus danken möchte, auch die Meinung der Leser meines Beitrags interessiert, würde es mich freuen, wenn meine E-Mail Adresse robert.baer@web de hier erscheinen könnte. Ich versichere hiermit, daß es sich dabei um eine rein privat genutzte Adresse handelt.

Mit meinen besten Wünschen für Sie und freundlichen Grüßen

Robert L. Baer


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Antwort
von Christian Ude am 18. März 2010
Christian Ude

Sehr geehrter Herr Baer,

vielen Dank für Ihren Beitrag. Niemand bestreitet, dass der Südring für eine verbesserte Erschließung der südlichen Stadtgebiete sorgen würde. Kern des Problems ist aber die dringend notwendige Entlastung der S-Bahn-Stammstrecke: Seit der Inbetriebnahme 1972 haben sich die Fahrgastzahlen der S-Bahn bis heute mehr als verdreifacht und die S-Bahn-Stammstrecke zur meist befahrenen Eisenbahnstrecke in ganz Europa gemacht. In der Gesamtbetrachtung aber würde der Südring mit nur 39.000 Fahrgästen pro Tag deutlich weniger Mehrverkehr im ÖPNV bringen als ein 2. S-Bahn-Tunnel mit 50.000 Fahrgästen pro Tag. Damit würde ein 2. S-Bahn-Tunnel die bestehende Stammstrecke wesentlich stärker entlasten als ein S-Bahn-Südring.

Darüber hinaus ist der Südring aber nicht nur verkehrlich unterlegen, sondern auch überhaupt nicht finanzierbar, da er mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von höchstens 0,8 deutlich unterhalb der Grenze liegt, die für eine Förderung aus Bundesmitteln notwendig wäre. Für den 2. S-Bahn-Tunnel haben die Gutachter dagegen mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 1,15 eine positive Bewertung errechnet.

Eng verknüpft mit dem 2. S-Bahn-Tunnel ist außerdem auch die Frage einer Verbesserung der Flughafenanbindung. Ein Münchner Airport-Express auf der Osttrasse der S8 setzt einen 2. S-Bahn-Tunnel voraus und würde dessen verkehrlichen Nutzen noch einmal deutlich steigern.

Nach allen verfügbaren Erkenntnissen und vorliegenden Gutachten gibt es keine bessere und wirtschaftlichere Alternative für die dringend benötigte Entlastung des Nadelöhrs „S-Bahn-Stammstrecke“ als den vom Freistaat bereits fertig geplanten 2. S-Bahn-Tunnel.

Da die dafür zu beantragenden Bundesmittel nur noch befristet zur Verfügung stehen, müssen die Weichen jetzt endgültig gestellt werden, wenn wir nicht riskieren wollen, am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Mit freundlichen Grüßen